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Erster Job, neue Stadt, alte Freunde PDF Drucken
Geschrieben von: Mareike Kardinal   

Wie der Absprung ins Berufsleben gelingt. Ein Ratgeber für alle, die sich demnächst vom Uni-Leben verabschieden müssen.

„Am schlimmsten sind die Abende“, erinnert sich Christine. „Man ist hundemüde. Frustriert durch Misserfolge. Und meistens alleine.“ Aller Anfang ist schwer. Aller Berufsanfang noch schwerer. Das durfte Christine, 27, am eigenen Leibe erfahren. Gerade noch an der Uni, zwischen Praktika, Prüfungen und Partys – und plötzlich mitten im Berufsalltag. Direkt nach dem Studium der Soziologie hatte sie den perfekten Job gefunden. Namhafte Firma. Gut bezahlt. In einer größeren Stadt. Aber leider 300 Kilometer von ihrem alten Studienort  und den lieb gewonnenen Freunden entfernt. „Man kommt nach Hause und dann ist da niemand Bekanntes, mit dem man noch kurz ein Schwätzchen halten könnte. Und um alleine wegzugehen und neue Leute kennen zu lernen, fehlt einem einfach die Energie“, so ihre Erfahrung. Diese Situation dürfte vielen frischen Berufsanfängern bekannt vorkommen: Der erste Job. Allein in einer neuen Stadt. Und die Freunde verteilt über ganz Deutschland.


Der erste Job – für viele eine Umstellung.       Foto: Lee Chisholm

Wie gut, dass es die Flatrate gibt
Was kannst du machen, um dir den Einstieg ins Berufsleben so angenehm wie möglich zu gestalten? „Reden. Die neuen Erfahrungen mit Angehörigen oder Freunden austauschen“, das empfiehlt Dr. med. Adalbert Ruhnau, Leiter der Psychotherapeutischen Beratungsstelle des Studentenwerks Tübingen-Hohenheim. In der ersten Zeit sei der Kontakt zu alten Freunden der Rettungsanker Nummer Eins. Auch wenn sie persönlich nicht vor Ort sind – dank Telefon-Flatrates und modernen Kommunikationsmitteln aller Art sind heutzutage auch weite Distanzen nicht unüberwindbar. „Gerade auch der Kontakt mit Leuten, die sich in einer ähnlichen Situation befinden wie man selbst, tut gut“, fügt Susanne Maier, Diplom-Psychologin und selbst junge Berufsanfängerin an einer Rehabilitationsklinik, hinzu. Dein ehemaliger Kommilitone in München hat wahrscheinlich  mit ähnlichen Problemen zu kämpfen wie du in Hamburg. Ein Austausch auf fachlicher Ebene kann dir bei beruflichen Anfangsschwierigkeiten weiterhelfen. Und geteiltes Leid ist halbes Leid, weiß der Volksmund – und hat damit gar nicht so Unrecht. 

Wenn der Tank leer ist
Als zweiten Punkt nennen beide Experten die akute Stressbewältigung. Es sei ganz natürlich, dass man sich an der Arbeitsstelle zunächst überfordert fühlt. Daher sei es wichtig, sich in der Freizeit Energiereserven aufzubauen. Entspannungstechniken wie Yoga und Autogenes Training sind nicht Jedermanns Sache. Aber vielleicht treibst du gerne Sport. Oder hast früher Gitarre gespielt oder gemalt. Jeder entspannt sich anders. Deine dir eigenen Ressourcen solltest du jetzt verstärkt nutzen um Schwung für den Berufsalltag zu bekommen. Genießen ist angesagt. So oft und so viel wie es geht.

Erster Job – neues Glück

Wichtig ist auch, offen auf die neue Lebensphase zuzugehen. Die Vorzüge des geregelten Arbeitslebens genießen, lautet die Devise. Endlich Geld in der Tasche! Da kann man mal so richtig ausgiebig Shoppen gehen. Oder die eigenen vier Wände schön einrichten. Oder den Kurztrip machen, den man sich vorher nicht leisten konnte. Ein Neuanfang ist auch der perfekte Zeitpunkt, neue Interessen zu entdecken. Du wolltest schon immer mal Salsa tanzen lernen? Fang damit an! Vielleicht schlummern ja ungeahnte Talente in dir.

Sich auf Neues einzulassen bedeutet aber auch, Altes loszulassen. „So sehr alte Freunde einem in der ersten Phase helfen, so sehr kann dich ein allzu starker Kontakt daran hindern, richtig in der neuen Umgebung anzukommen. Man sollte Altes bewusst als Altes bewerten“, rät Maier. Das heißt nicht, dass du den Kontakt abbrechen sollst, du solltest einfach auch offen für neue Freundschaften sein. 

Erste Priorität: Ankerpersonen sammeln
Neue Freundschaften zu finden ist jedoch oft nicht so einfach, wie du es von früher kennst. „Der erste Job ist für viele ein Schock“ erklärt Fanny Jimenez, Psychologin an der Humboldt-Universität zu Berlin. „Wer aus der Uni kommt ist es gewohnt viele Leute in etwa dem gleichen Alter zu treffen. Freundschaften ergeben sich da relativ schnell und unkompliziert. In der neuen Stadt im ersten Job hat man dann häufig nur einige mehr oder weniger nette und gleichaltrige Kollegen. Und außerhalb der Arbeit bleibt kaum Zeit und Energie um neue Menschen kennenzulernen.“ Ihr Tipp: Kontakte suchen, wo immer es sich anbietet und jede Gelegenheit sofort ergreifen. Auch wenn die Nachbarn oder die Verkäuferin in der Bäckerei zunächst uninteressant erscheinen – jeder Kontakt verschafft ein bisschen mehr gute Laune, potentielle Unterstützungsmöglichkeit und letztlich auch die Chance weitere Personen kennenzulernen! Im Endeffekt braucht es nur wenige „Ankerpersonen“ für den Aufbau eines neuen Netzwerkes.

Ein neuer Freundeskreis: Eigeninitiative und Geduld sind gefragt. Foto: Ashley Webb

Wer also am Anfang zu müde ist, um unter der Woche abends noch auszugehen und Leute kennenzulernen, der sollte sich zuerst einmal im Kollegenkreis umschauen. Gemeinsam in die Kantine gehen oder zu einem ruhigen Abendessen einladen. Und sich für die Wochenenden, – an denen man mehr Energie hat – je nach Geschmack in Sport- oder Musik-Vereinen anmelden. „So blöd es klingt, Freunde findet man heutzutage auch leicht über das Internet“, so Kathrin, 26. Sie ist von einer belebten Studentenstadt in ein ruhiges Dorf im Allgäu gezogen, in dem es wenig junge Leute gibt. Da sie früher gerne getanzt hatte, bekundete sie ihr Interesse an einem Tanzpartner in einem Forum. Seit kurzem schwingt sie wieder das Tanzbein.

Nur nichts überstürzen!
Man sollte auch eines nicht vergessen: Geduld haben. Neue Freundschaften brauchen ihre Zeit. Man trifft die besten Kumpels nicht gleich in den ersten Wochen. Oder kennst du noch den Johannes, mit dem du im Grundstudium auf das Latinum gebüffelt hast?
Das Gleiche gilt für den Beruf. Am Anfang ist der Arbeitstag vielleicht das reinste Chaos – mit der Zeit kommt aber garantiert die Routine. „Ein Gefühl der Normalität lässt etwa 6-12 Monate auf sich warten“, so Jimenez. Sei dir im Klaren, dass es normal ist, immer wieder schwierige Phasen zu erleben, in denen du dich fragst, warum du eigentlich diesen Job haben wolltest. An solchen Tagen solltest du möglichst das tun, was dir gut tut. Erinnere dich auch, wie du ähnliche Situationen bewältigt hast. Wie war der Neuanfang im Studium? Oder im Erasmus-Jahr, im Praktikum?

Erfolgreich umgetopft
„Wer einmal bereits erfolgreich verpflanzt wurde, dem scheint ein zweites Mal weniger auszumachen“, philosophiert die Psychologin Maier. „Und wie Pflanzen besser gedeihen, wenn man sie umtopft, so wachsen auch wir mit neuen Herausforderungen.“ 

Eine positive Wendung hat auch Christine erfahren. Nach den ersten schweren Wochen im Job lernte sie langsam Leute kennen. Nach einem halben Jahr hatte sie sich dann weitgehend eingelebt und einen netten Bekanntenkreis aufgebaut. Dabei ist der Kontakt zu den alten Studienfreunden nicht abgebrochen, sondern hat sich durch ähnlich erlebte Situationen eher vertieft. „Und den Traummann habe ich in der Zwischenzeit auch auf dem Weg ins Büro kennengelernt“ verrät sie uns augenzwinkernd.

Mehr Tipps zum Thema

Neue Stadt, alte Freunde. Die Studienfreunde in das Berufsleben mit hinüberzuretten ist nicht ganz einfach, wenn wenig Zeit und Stress die Tage regieren. Hier ein paar Tipps, wie der Kontakt auch über weite Entfernungen nicht abbricht:

  • Lasse deine Freunde auch weiterhin an deinen neuen Alltagserlebnissen und -sorgen teilhaben. Das Einbeziehen in simple Entscheidungen („soll ich mir die Haare mal blond färben?“) gibt ihnen das Gefühl, weiterhin wichtiger Bestandteil deines Lebens zu sein.
  • Nutze alle Kommunikationsmittel (Telefon, Email, Instant Messenger, Blogs, Social Networks, SMS, sowie die guten alten Briefe).
  • Pflege alte Rituale, zum Beispiel gemeinsame Silvesterfeiern.
  • Schaffe neue gemeinsame Erfahrungen, zum Beispiel durch Besuche, Ausflüge, Urlaube oder Kulturveranstaltungen.
  • Sprich Konflikte sofort an. Da ihr euch weniger seht, ist die Gefahr groß, dass sich schlechte Emotionen aufstauen und aus einer Mücke ein Elefant wird. Versuche komplexe Streitpunkte nicht schriftlich oder gar per SMS zu klären, das kann zu noch mehr Missverständnissen führen!

 

 

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