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Klimaschutz im Einkaufskorb PDF Drucken
Geschrieben von: Christiane Schmidt   
 
Graphik: Christiane Schmidt; Einkaufswagen: http://www.sxc.hu
Stellen sie sich vor: Sie gehen einkaufen. Aber heute schieben Sie nicht nur den leeren Wagen vor sich her, sondern es lagern darin auch die Welt und das Klima unserer Erde. Bei jeder Kaufentscheidung, die Sie fällen, verschiebt sich die natürliche Balance des Systems ein kleines Stückchen. In diesem Artikel erfahren Sie, wie  Sie richtig entscheiden – damit unsere Umwelt und unser Klima im Lot bleiben.

Wasserknappheit, Klimawandel, eine unsichere Energiezukunft und eine immer rascher wachsende Weltbevölkerung steigern den Druck auf die internationalen Nahrungsmittelmärkte. Viele Menschen erkennen diese Probleme bereits, wissen aber nicht, was sie selbst zur Lösung beitragen können. Was können wir im Alltag tun, damit der Nahrungsmittelkonsum die globalen Probleme nicht noch verschlimmert? Ist im Winter ein Bioapfel aus Neuseeland besser als ein konventioneller heimisch angebauter Apfel aus dem Kühlhaus? Solche Fragen lassen sich nicht so schnell und eindeutig beantworten, wie man es gerne hätte.

Die Öko-Bilanz hilft uns zu analysieren….
Um Licht ins Dunkel zu bringen, werden häufig Ökobilanzen erstellt. Sie bewerten hauptsächlich die Herstellung und den Transport von Konsumartikeln. So auch eine Analyse des Instituts für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) in Berlin im Auftrag von foodwatch e. V. In dieser kommen Jesko Hirschfeld und seine Kollegen zu dem Schluss, dass der Ökolandbau „einen erheblichen Beitrag zur Erreichung der deutschen Klimaschutzziele leisten kann. Die Ergebnisse der Klimabilanzen zeigen, dass die ökologische Landwirtschaft in der Regel klimafreundlicher ist als die konventionelle Landwirtschaft.“

Insgesamt verursacht die deutsche Landwirtschaft genauso viele Treibhausgase wie der Straßenverkehr, nämlich erstaunliche 13 Prozent. Dennoch wird sie häufig außen vor gelassen, wenn es um Treibhausgaseinsparungen geht. Daher ist es wichtig, dass wir nicht nur bei der Wahl der Transportmittel und beim Kauf von Elektroartikeln an die Umwelt denken, sondern auch beim Essen und Trinken.

Ökohöfe produzieren im Schnitt 15 bis 20 Prozent weniger Treibhausgase. Bei der Produktion von Getreide wird der Unterschied deutlich sichtbar. Bildlich gesprochen: Ein Kilogramm Bioweizen verursacht so viele Treibhausgase wie  eine Autofahrt mit einem BMW über 1,5 Kilometer. Ein Kilogramm konventionelles Getreide braucht soviel CO2 wie eine Fahrt über 3,4 Kilometer. Wie entsteht der Unterschied?

„Konventionelles Getreide wird achtmal mit Chemikalien gespritzt, bevor es geerntet wird. Das verbraucht natürlich Energie!“, meint Arthur Witt - Inhaber eines Biohofes und eines Biosupermarktes in Ansbach, Franken. Außerdem werden in der konventionellen Landwirtschaft große Mengen an Kunstdünger verwendet, welcher eine sehr schlechte CO2 -Bilanz hat. Im Bio-Anbau werde darauf verzichtet und durch das Abflammen von Unkraut dem Boden wieder nährstoffreiche Asche hinzugefügt. Das bedeutet konkret: „Neben der CO2-Ersparnis ist der Anbau von Biogetreide gut für den Boden“, so Arthur Witt.

Der Ernährungsexperte des Münchner Beratungsbüros für Ernährungsökologie, Dr. Karl von Koeber, bestätigt, dass der Biolandbau nicht nur positiv für das Klima sei, sondern auch förderlich für die Welternährung. Der Verzicht auf mineralischen Stickstoffdünger ist eine große Energieersparnis, der Humus trägt zur Kohlenstoffspeicherung bei und verbessert die Bodenstruktur. Auf diese Weise bleiben die fruchtbaren Böden länger ertragreich und laugen nicht so schnell aus.

Bioprodukte vom eigenen Biohof in Franken, Platz braucht der Biolandbau. Copyright: Arhur Witt

Ökolandbau braucht Platz…
Das Problem ist allerdings, dass eine Umstellung der konventionellen Landwirtschaft auf Ökolandbau 70 Prozent mehr Fläche erfordern würde. Dies ist gerade in Regionen wie Indien und China, deren Bevölkerung stark wächst,  nicht möglich. „Biogetreide erzielt auch 30 bis 40 Prozent weniger Ertrag, denn durch die andere Wirtschaftsweise muss es dünner gesät werden“, so Biolandwirt Witt. Die Biotechnologie ist hier auf dem Vormarsch mit gentechnisch verändertem Saatgut, angepasst an Dürre und Schädlinge. Ist sie die wirklich einzige Möglichkeit, um die wachsende Weltbevölkerung noch zu ernähren?

Greenpeace sieht die Gentechnik-Industrie als Risikotechnologie, welche Gefahren für unsere Gesundheit und Umwelt mit sich bringt: Fremde Gene in Lebensmitteln können Allergien verursachen. Allgemein lassen sich die Folgen nicht gut abschätzen. Sicher ist eines: Gentechnisch verändertes Saatgut wird weiterhin gespritzt, mineralisch gedüngt und hat daher eine schlechte CO2-Bilanz. Alexander Hissting, Landwirtschaftsexperte bei Greenpeace, meint in der Veröffentlichung „Landwirtschaft und Klima“, dass die Chancen der Treibhausgasreduktion darin liegen, den Anbau so zu managen, dass unbegrünte und brachliegende Böden vermieden werden. Außerdem kann die CO2-Bindung des Bodens erhöht werden, indem Dünger reduziert und bedarfsgerecht eingesetzt wird sowie humusreiche Böden wiederhergestellt werden.

 Gänse dürfen im Wasser plantschen in der ökologisch kontrollierten Tierhaltung, Copyright: Arthur Witt
Für das Klima gilt: Milch = Milch…
Die Klimabilanz von konventionell hergestellter Milch und Biomilch ist gleich. Aber Bioprodukte haben eine ganze Reihe weitere Vorteile: So wird unter anderem auf artgerechte Tierhaltung geachtet. Das bedeutet Kontakt zu Artgenossen, Auslauf, frische Luft und Tageslicht. Auch wird auf chemische Routinebeigaben im Futter, wie etwa Antibiotika, verzichtet.

Überraschend ist, dass die ökologische Ochsenmast durch die längeren Mastzeiten eine schlechtere Klimabilanz aufweist als die konventionelle Tierhaltung. Zu diesem Ergebnis kam die IÖW-Studie. Dies liegt hauptsächlich an den höheren direkten Lachgas-Emissionen im Stall und im Grünland. Die Schlussfolgerung, deswegen die ökologische Mast auf konventionelle umzustellen, wäre allerdings falsch. Karl von Koeber meint: „Durch  eine deutliche Bevorzugung pflanzlicher Lebensmittel und damit eine bewusste Reduzierung des Anteils von Fleisch, Milchprodukten und Eiern kann jeder schon sehr viel für den Klimaschutz tun. Es ist wichtig, dass wir in der westlichen Welt schnell umdenken“, denn nur so könnten wir Vorbild für die Schwellenländer wie Indien und China sein.

Verbraucher in diesen Ländern sollten keinen Anreiz finden, mit wachsendem Lebensstandard den traditionell dort nicht verankerten Milch- und Käsekonsum zu steigern. Widersprüchlich dazu verhält sich die deutsche  Exportwirtschaft. Sie versucht, nach dem Melaninskandal in Asien nun deutsche Milch und Käse zu exportieren und sich einen noch neuen Markt zu schaffen. Der Fleischkonsum in den Entwicklungs- und Schwellenlängern hat in den letzten Jahrzehnten bereits um mehr als die Hälfte zugenommen. Die Viehwirtschaft ist der größte Nutzer von Landflächen - dabei werden immer mehr Weiden in Anbaugebiete für Futterpflanzen umgewandelt. So werden im Amazonasregenwald in Brasilien und im Chaco-Urwald in Argentinien Bäume geschlagen, damit auf dem Boden Soja, eine energiereiche Futterpflanze, wachsen kann.

Glückliches Biogeflügel auf Bio-Witts Hof. Copyright: Arthur Witt
Das 1 x 1 des Fleischkaufs…
Biohofwirt Arthur Witt empfiehlt, möglichst „regionale und saisonale Produkte“ zu kaufen – im Biohof oder im Supermarkt, denn nicht jede Familie kann sich Biofleisch leisten. „Gerade die Qualität des Fleischs wird durch Transport und Kühlung erheblich beeinträchtigt“, daher ist ein möglichst kurzer Transportweg förderlich.

Kann man nicht auf Rindfleisch verzichten, dann muss es nicht gleich welches aus Argentinien sein, denn „Angus-Rinder, eine beliebte Mast-Rinderrasse, gibt es auch in Deutschland“.  Das deutsche Angus-Rind ist eine Kreuzung aus dem Aberdeen-Angusrind und anderen Rinderrassen und hat auch weniger Fett. Da es regional erworben werden kann, wird unnötiger Transport des Fleischs, durch dessen Kühlung viel CO2 entsteht, vermieden. Übrigens: Wild hat eine besonders günstige Klimabilanz, weil keine energieaufwändige Mast notwendig ist.

Durch „Veredlungsverluste“ gehen vom Tierfutter bis zum Stück Fleisch oder Käse rund 65 bis 90 Prozent der im Futter erhaltenen Nahrungsenergie verloren, so Karl von Koeber. Dies verdeutlicht, welche riesigen Mengen an Futtermittel nötig sein müssen, um ein einfaches Schnitzel herzustellen. Die Futtermittel sind deshalb so schlecht für das Klima, weil sie meist unter Einsatz von großen Mengen an Kunstdünger produziert werden, welcher durch die sehr energieaufwändige chemische Herstellung hohe Treibhausgasemissionen verursacht.

Klimaschutz ist wichtig für die nächsten Generationen.Wenn Kinder früh an die Natur herangeführt werden, dann können sie ein anderes Bewusstsein entwickeln, diese schätzen zu lernen. Copyright: Arthur Witt

Transportweg und Transportmittel sind wichtig…
Beim Transport von Fleisch spielen auch das Verkehrsmittel und der Transportweg eine entscheidende Rolle für die Klimabilanz: Mit dem Flugzeug zurückgelegte Kilometer sind am klimaschädlichsten, LKW und die Bahn sind um ein Vielfaches besser. Zu beachten gilt es aber auch, dass der Transport von kleinen Gütermengen mit kleinen Lieferwagen wenig effizient ist. Aber wie erkennen wir Verbraucher den Unterschied? Bis jetzt ist noch kein Label auf dem Markt, welches die CO2-Bilanz von Lebensmitteln auf der Verpackung angibt. Erst mit einem solchen Label wird mehr Transparenz für den Verbraucher entstehen.
So kompliziert die alltäglichen Entscheidungen für eine bewusste Wahl der Nahrung klingen mögen, sie sind es nicht. Mit einigen wichtigen Konsumstrategien können Sie als Verbraucher ein sofortiges Zeichen setzen und so aktiv die verursachte Menge an schädlichen Treibhausgasen senken:
  • Für den Konsum von tierischen Produkten lieber nach dem Motto handeln „Qualität statt Quantität", das macht sich meist auch auf der Hüfte bemerkbar
  • Einfach mehr frisches Gemüse der Saison und weniger Fertigprodukte auf den Küchentisch stellen
  • Bei pflanzlichen Lebensmitteln sind die Bioprodukte zudem auch noch klimafreundlicher
  • Orientieren sie sich an dem Biosiegel der EG-Ökoverordnung, dies sollte jedes Bio-Produkt tragen
  • Da es bisher kein Label gibt, welches die CO2-Bilanzen der Lebensmittel gegenüber stellt, kann man sich nur am Herkunftsland orientieren

Generell sind mehr Wissen und mehr Transparenz über die Produkte notwendig. Bleiben Sie wachsam und fragen Sie nach!

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Unter www.verbraucher.com können Sie von der Verbraucherinitiative GmbH eine Infobroschüre für den klimafreundlichen Einkauf online erwerben, in der Sie weitere Infos zum nachhaltigen Einkaufen finden.


 

 

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