Wer ist online?

Wir haben 2 Gäste online
Studium - was dann? PDF Drucken
Geschrieben von: Anita Tiefau   

Das Studien-Ende ist für viele eine Zeit der Ratlosigkeit. Nicht zu wissen, wie es weitergehen soll, kann bis hin zur Depression führen. Beratungsstellen können helfen, damit man sich nach dem Studium nicht so verloren fühlt.

Das Ende des Studiums – von den meisten Studenten herbeigesehnt: Endlich die eigene Diplom-, Magister-, Bachelor- oder Masterarbeit erfolgreich abgeschlossen und bewertet in Händen halten können. Doch was dann? Das anvisierte Ziel, das die letzte Zeit immer im Vordergrund stand, fällt plötzlich weg. Der bisher klare Weg – Schule, Abitur, Hochschule und dort ein Abschluss – ist nun beendet. Die Entscheidungen, die man bislang bewerkstelligen musste, betrafen das Studienfach, den Studienort oder die eigene Unterbringung. Im Prinzip nichts Schwerwiegendes und immer mit einem Ziel vor Augen: dem Hochschulabschluss.

Was passiert aber, wenn man eben dieses Ziel erreicht hat? Ein neuer, sehr individueller Lebensabschnitt beginnt. Die Ausbildung  ist beendet, und nun heißt es: ab in die Berufswelt! Oder doch nicht? Manch einer weiß an dieser Stelle nicht, was er mit sich anfangen soll. Die Möglichkeiten, sein Leben weiterzugestalten, scheinen fast unbegrenzt zu sein. Das schüchtert ein und lässt so manchen verzweifeln.
Denn von dem zukünftigen Berufseinsteiger wird verlangt, dass er sich von den anderen durch besondere Qualifikationen abhebt. 2007 war das bei 40.768 Absolventen deutschlandweit gar nicht so einfach. Hinzu kommen die schlechten Aussichten auf dem Arbeitsmarkt. Im Januar 2009 waren in ganz Deutschland insgesamt 149.585 junge Akademiker arbeitslos, 13.080 allein in Baden-Württemberg. Angesichts dieser Zahlen sind Hochschulabsolventen durchaus zu Recht verängstigt.

Doch es gibt auch Positivbeispiele, deren Vorbild jeden Studenten beruhigen kann. Solch ein Beispiel ist Eva Richter. Eva hat ihr Studium der Skandinavistik und Linguistik des Deutschen an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen im Januar 2008 abgeschlossen. Ihre Abschlussarbeit wurde mit 1,0 benotet. Allerdings konnte sie nicht nur ihrer Note wegen gelassen in die Zukunft blicken: „Ich habe mich gut gefühlt, da endlich das Studium zu Ende war. Nein, Angst vor der Zukunft hatte ich keine, da ich mich rechtzeitig darauf vorbereitet habe.“

Eva hat den Übergang vom Studium zum beruflichen Leben glanzvoll gemeistert. Ihr Weg führte sie nach dem Abschluss zunächst durch ein viermonatiges Praktikum in einem Verlag. Danach fing sie mit ihrer Promotion an. Währenddessen jobbte sie für drei Monate, um damit die Zeit bis zu ihrer Ausbildung zur Buchhändlerin zu überbrücken.

Jetzt noch eine Ausbildung? Evas Weg mag für manche nicht nachvollziehbar sein. Aber Eva hat ihre Gründe: Sie weiß, dass sie für eine Karriere im Verlagswesen theoretische und praktische Grundlagen braucht. Entscheidungen sind immer vom einzelnen Menschen, dessen Situation und seinen weiteren Zielen abhängig. Dieser Meinung ist auch Sylvia Kieselbach von der Beratungsstelle des Career Service der Tübinger Universität: „Das alles hängt ja ganz stark von der Biographie ab, die jemand mitbringt. Deswegen machen wir erst einmal eine biographische Datenanalyse. Darauf gestützt entsteht ein individuelles Profil.“
Welche Möglichkeit man also nach dem Studium wahrnimmt, ist eine schwierige Frage, die jeder einzelne individuell für sich lösen muss. Doch welche Möglichkeiten gibt es überhaupt? Um die gängigsten Varianten zu erwähnen, wären es wohl Folgende:

Festanstellung
Nach dem Studium direkt und ganz ins Berufsleben. Eine sichere Angelegenheit, aber nicht für jeden so einfach umzusetzen. Je nachdem, was man studiert hat, gelingt dieser Schritt leichter oder schwerer. Ingenieure und Informatiker zum Beispiel sind weiterhin sehr gefragt und bekommen zum Teil noch während ihres Studiums Angebote. Andere Absolventen sind mit ihrer fachlichen Ausbildung nicht ganz so gefragt. Der Mangel an sicheren Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt führt dazu, dass viele Studenten am liebsten ewig weiterstudieren würden, damit sie sich diesem Problem nicht stellen müssen.

Praktika
Viele Studenten, besonders in den Geisteswissenschaften, sammeln erst einmal Erfahrungen durch Praktika. Das ist sicher auch ein guter Berufseinstieg, denn immerhin hat man danach bereits berufliche und praktische Erfahrungen vorzuweisen. Dass man für einen gelungenen Berufseinstieg Zusatzqualifikationen aufweisen können muss, hat auch Eva Richter erkannt. Praktika findet sie dafür sehr geeignet: „Ich habe schon während meines Studiums Praktika gemacht, um mich zu orientieren. Und um das viermonatige Praktikum nach Studienende habe ich mich rechtzeitig gekümmert.“ Wenn allerdings jemand allzu viele Praktika absolviert, kann es auch so aussehen, als könne er oder sie sich nicht entscheiden.

Auslandsaufenthalt
Bei Firmen gern gesehen sind Erfahrungen im Ausland. Denn man muss flexibel und belastbar sein, um mit den Anforderungen in einer fremden Umgebung und Kultur zu Recht zu kommen. Mit Auslandserfahrungen beweist man Zielstrebigkeit und Courage. Beides wird im Berufsleben sehr geschätzt. Der Auslandsaufenthalt sollte jedoch sinnvoll und genau durchdacht sein. Das sieht Eva genauso: „Ich habe in Betracht gezogen, erst einmal eine Weile ins Ausland zu gehen, aber wenn, dann nur für ein Praktikum.“ Damit hat sie Recht. Denn ein Auslandsaufenthalt ohne berufliche Herausforderungen wird von künftigen Arbeitgebern bestenfalls als ausgedehnte Auszeit gewertet – wenn nicht gar als Flucht vor dem Ernst des Lebens.

Promotion
Von vielen anvisiert, jedoch nur von wenigen in die Tat umgesetzt: die Doktorarbeit. Lediglich 3.969 Studenten haben 2007 in Baden-Württemberg promoviert. Etliche Studienabsolventen grübeln, ob eine Promotion ihnen wirklich weiterhelfen wird. Andere lassen sich von dem hohen Zeitaufwand abschrecken. Außerdem muss man erst einmal einen Doktorvater finden. Hierbei sollen jedoch neue Promotionsstudiengänge Abhilfe schaffen: Dabei wird die Betreuung des Promovenden von einem Doktorvater auf ein ganzes Team von Professoren verteilt, das dem Promovierenden mit Rat und Tat zur Seite steht. Diese Studiengänge werden jedoch an vielen Universitäten gerade oder erst noch eingerichtet.

Sylvia Kieselbach ist der Meinung: „Bei der Organisation einer Doktorarbeit geht es um Zeitmanagement und Koordination, besonders wenn auch Kinder zu erziehen sind.“ Doch das kann bewältigt werden und sollte niemanden abschrecken.

Ausbildung
Immer mehr Studenten spielen mit dem Gedanken, nach ihrem Studium und zur weiteren Absicherung eine Ausbildung zu absolvieren. Das gibt ihnen nicht nur ein breiteres Spektrum, sondern auch praktische Erfahrungen. „Die Ausbildung ist nicht der schlechteste Weg“, sagt Sylvia Kieselbach. „Bevor man gar nichts macht; sollte man lieber eine Ausbildung machen. Aktiv zu werden, ist immer das Beste.“
Eva Richter sieht in ihrer Ausbildung eine Absicherung für ihren Berufseinstieg: „Durch die Ausbildung erlange ich wichtige Zusatzqualifikationen, die es vielleicht ermöglichen, in einem Verlag einen Job zu bekommen.“

Aufbaustudiengang
Nach dem Studium als weitere Ergänzung ein Aufbaustudium zu machen, klingt für viele Studenten sehr verlockend. Hier könnten sie im Prinzip beim Altbewährten und Vertrauten bleiben. Allerdings muss immer die Frage gestellt werden, ob dieser Schritt tatsächlich hilfreich für die spätere Berufslaufbahn ist, sonst stellt er nur eine Verzögerung da. Eva hat sich das auch überlegt: „Einen Aufbaustudiengang habe ich in Erwägung gezogen, aber mich dagegen entschieden. Ich finde es besser, eine Ausbildung als Buchhändlerin zu machen und nebenberuflich zu promovieren. So schaffe ich einerseits den Berufseinstieg und kann andererseits auch meine Promotion in Angriff nehmen.“

„Quarterlife Crisis“
Angesichts dieser vielen Möglichkeiten geraten viele Studienabsolventen ins Wanken und wissen nicht, was sie tun sollen. Holen sie sich dann keine Hilfe oder verpassen es, sich beraten zu lassen, kann eine allumfassende Unsicherheit entstehen. Die ungewisse Zukunftsperspektive nach dem Studium kann so verunsichern, dass man beginnt, an allem zu zweifeln. Depressionen und die Unfähigkeit zu handeln sind die Folge. Daraus kann man sich nur schwer selbst wieder befreien.

Dieses Phänomen ist nicht neu. Bereits vor ein paar Jahren haben sich die beiden Autorinnen Alexandra Robbins und Abby Wilner mit ihrem Buch „Quarterlife Crisis“ (Krise nach dem ersten Lebensviertel) dieser Thematik angenommen. Ihr Buchtitel wurde zum prägenden Begriff für die Unsicherheit und Perspektivlosigkeit der jungen Generation. Um aus dieser labilen Verfassung wieder herauszukommen, benötigen Studenten Hilfe. „Auf so eine Krise wird bei uns immer eingegangen. Das ist ganz wichtig“, sagt Sylvia Kieselbach, ergänzt aber: „Ich möchte lieber prophylaktisch arbeiten, damit es überhaupt nicht erst soweit kommt. Deshalb versuchen wir schon die Studienanfänger anzusprechen, an Infotagen und ähnlichem. Je früher die Studenten kommen, desto besser kann man ja steuern.“

Beratung ist also ein wichtiger Bestandteil für das Gelingen in den Berufseinstieg. Auch am Beispiel von Eva Richter wird deutlich, dass man sich frühzeitig informieren sollte. „Ich bin circa 15 Monate vor Ende des Studiums zur akademischen Beratungsstelle für Geisteswissenschaftler der Agentur für Arbeit gegangen. Dort habe ich Tipps und Anregungen bekommen“, erzählt Eva. Hilfsangebote und Beratungsstellen gibt es zur Genüge, man muss sie nur in Anspruch nehmen.

Von Arbeitsagentur bis Jobportal
Für die Zielstrebigeren unter den Studenten, die bereits gefestigte Vorstellungen über ihre Zukunft haben und lediglich für deren Umsetzung Hilfe brauchen, gibt es verschiedene Job- und Karriere-Portale. Angefangen von den klassischen Varianten der Agentur für Arbeit, die vielerorts eigene Programme für junge Akademiker anbietet, bis hin zu Online-Jobbörsen, die sich immer stärker verbreiten. Die Handhabung ist jedoch bei vielen dieser Plattformen nicht gleich auf Anhieb ersichtlich und auch nicht alle sind komplett kostenlos.

Allen, die sich nicht ganz alleine durch den Jobdschungel hangeln wollen, die passenden Gesichter zu den Stellen und Firmen sehen oder bereits erste Kontakte knüpfen wollen, seien die vielen verschiedenen Job- und Karrieremessen ans Herz gelegt. Hier findet man alle Firmen, die Rang und Namen haben, und kann sich persönlich ein Bild von den Angeboten machen.

Wer noch unschlüssiger ist, dem kommt eine individuellere Beratung und Hilfestellung mehr entgegen. Diese kann man mittlerweile natürlich auch auf diversen Online-Plattformen finden. Dort kann man seinen Lebenslauf bewerten lassen, und man erhält hilfreiche Tipps von dafür autorisierten Personen, sogenannten Online-Mentoren. Besonders positiv bei der Recherche aufgefallen ist die Plattform internationalstudentsclub.org. Sie liefert schon vor Studienbeginn wertvolle Tipps zur Universitätswahl und ähnlichen Entscheidungen. Des Weiteren kann man sich viele nützliche Tipps zur Bewerbung holen, die eigenen Unterlagen durchsehen lassen und sich Verbesserungsvorschläge dafür geben lassen. Neben Online-Seminaren und -Vorträgen gibt es jeden ersten Montag im Monat die Möglichkeit, per Chat mit Experten in Kontakt zu treten und diese zu den eigenen Problemen zu befragen.

Auch hier sollte sich jeder Student ein eigenes Bild machen und schauen, wie passend das Angebot für ihn ist. „Ich hab Berufsfindungs-Plattformen im Internet genutzt, aber die haben nicht viel geholfen“, meint hierzu Eva Richter. „Brancheninterne Medien bringen mehr.“
Wer es noch individueller haben will, sollte sich an Stellen wenden, die eine persönliche Beratung ermöglichen. Jedoch sind bei vielen dieser Stellen viel Geduld und eine lange Vorlaufzeit von Nöten. Die Agentur für Arbeit zum Beispiel ist nur schwer zu erreichen und kann nicht immer kurzfristig einen Termin vermitteln. Doch es gibt Alternativen.

Career Service an der Uni
Für die Tübinger Studenten beispielsweise ist die Tatsache beruhigend, dass sie eine gut durchorganisierte und hilfreiche Beratungseinrichtung im Career Service haben. Dort steht ihnen Sylvia Kieselbach mit ihren Kolleginnen Sabine Weilandt und Ines Weber zur Verfügung – jede in ihrem Spezialgebiet. Auf die tatsächlichen Bedürfnisse der Studenten abgestimmt, geben die drei ihr Bestes, den Studenten bei ihrer Orientierung, ihrer Entscheidungsfindung und auch darüber hinaus zu helfen. Alles ist hier individuell an den Einzelnen angepasst.

„Wir haben zwei, drei kleine Tests, die wir einsetzen können. Daraus ersieht man schon ein Stärkenprofil. Denn uns geht es bei unserer Beratung ja hauptsächlich um die Stärken“, erklärt Sylvia Kieselbach. „Damit schauen wir, in welchen Arbeitsbereichen und Arbeitsumgebungen sich jemand wohl fühlt und Bestleistungen zeigt. Das ist ja mit entscheidend für die Berufswahl.“ Dadurch werden die besten Vorraussetzungen für jeden ermittelt.

Darauf wird dann die Beratung aufgebaut und Möglichkeiten und Wege eröffnet. Man konzentriert sich also vollständig auf den Ratsuchenden. „Ich selber bin Therapeutin“, offenbart Sylvia Kieselbach. „Wir sind hier alle langjährig in der Praxis und zusätzlich therapeutisch ausgebildet. Das ist eine gute Kombination zur Karriereberatung.“

Die Beratung im Career Service ist also keine schnelle Massenabfertigung. Sie ist auch keine einmalige Sache. „Wir sind keine Jobvermittler, sondern wir sind, denke ich, ganz gute Analytiker und vor allem Begleiter für die Studenten. Wir sind die einzige Beratungsstelle, zu denen der Student nicht nur einmal, sondern auch zwei- oder dreimal kommen kann – und das auch in großen Abständen. Einige kommen nach ihrem Praktikum, vielleicht nach einem halben Jahr, noch einmal wieder. Das ist auch ganz sinnvoll. Wir halten auch möglichst Kontakt mit denen, die dann schon im Beruf stehen. Denn es ist ja ganz spannend, was die dann machen. Und die Berufstätigen helfen uns dann ja auch wiederum mit neuen Praktikumstellen.“

Der Kontakt zu Ehemaligen erweist sich auch bei der Zusammenarbeit mit der Alumni-Organisation Tübingen als nützlich. Daraus ist mittlerweile ein Mentorenprogramm für Studenten entstanden: Hierbei werden zukünftige Absolventen von Ehemaligen, die bereits im Berufsleben stehen, an der Hand genommen und beraten.

Studenten anderer Universitäten brauchen nicht verzagen: Einen Career Service und eine aktive Alumni-Organisation gibt es natürlich auch anderswo. Mit ein bisschen Hilfe von erfahrenen Beratern kann die Quarterlife Crisis überwunden werden, und die Absolventin oder der Absolvent kann optimistisch, gut vorbereitet und gelassen in die Zukunft blicken.


Wo man Rat und Hilfe findet

Jobmessen:
10.03.   CONTACT2009 –Life Science Jobbörse  - Heidelberg
13.03.   Deutsch-französische Jobmesse  - Stuttgart
17.03. -18.03.  JURAcon Einzelgespräch-Event  - München
18.03.   T5JobMesse, Fokus Healthcare  - Stuttgart
26.03. -28.03  Career Event Finance, Controlling & Audit  - Frankfurt/Main
01.04. -02.04  International Business Fair  - Reutlingen
23.04.   KONTAKTA 2009  - Karlsruhe
25.04.   careers4rngineers automotive  - Stuttgart
Jobbörsen:
cesar.de
berufsstart.de
karriere.de
kimeta.de
worldwidejobs.de
stellenmarkt.de
jobrobot.de
Online-Plattformen:
internationalstudentsclub.org
absolventa.de
academics.de

Universitäre Angebote:
Tübingen:
career-service.uni-tuebingen.de
alumni.uni-tuebingen.de

Allgemein:
Xing.com: allgemeine Plattform, bei der viele Alumni-Organisationen zu finden sind
 
 
 
 
 
 

©2008-2010 Studentenfutter

Admin: Attila Teglas || Universität Tübingen || Joomla! Template Design by funky-visions.de