Weg mit der Entwicklungshilfe! Ein neuer Weg für Afrika Drucken E-Mail
Geschrieben von: Wiebke Harle   

Keine staatlichen Hilfsleistungen mehr für Afrika, denn sie sind die Wurzel allen Übels. Diese und andere provokante Thesen finden sich in Dambisa Moyos 2009 erschienener Publikation „Dead Aid“. Die simbabwische Wirtschaftswissenschaftlerin entwickelt hierin detailliert, innovativ und inspirierend Perspektiven für Afrika.

Innovativ und inspirierend: Dambisa Moyos provokantes Buch „Dead Aid“ (Bild: canada.2020)

Innovativ und inspirierend: Dambisa Moyos provokantes Buch „Dead Aid“

Bild: canada.2020

Ein Leben im Luxus, obwohl der Rest des Landes in Armut und Elend versinkt: Entwicklungshilfe macht’s möglich. Die Gelder der Geberländer, die in der Regel direkt an die Regierungen fließen, bleiben auch meist dort hängen. Dank der „Hilfe“ aus dem Ausland ist Korruption in vielen afrikanischen Staaten inzwischen gang und gäbe.

Es ist eine ganze Palette an negativen Entwicklungen wie diese, deren Erklärung Moyo in den Entwicklungshilfezahlungen sucht. Deutlich wird: Auf Grund des Lebens im Überfluss halten es die Regierungschefs erfahrungsgemäß nicht für notwendig, ihr Land auf einen guten Weg zu führen. Sie müssen nichts leisten, um das Geld zu bekommen, und bislang sieht es eher nicht so aus, als würden die Geldquellen aus aller Welt in absehbarer Zeit versiegen. Was das zur Folge hat, schreibt Dambisa Moyo unverblümt: Nach der jahrhundertelangen Abhängigkeit von etwaigen Kolonialherren ist Afrika geradewegs in die nächste Abhängigkeit gestolpert – in die Abhängigkeit von Entwicklungshilfe.

Auch wenn es sich um ein Fachbuch handelt, spürt man trotzdem die persönliche Betroffenheit der Autorin. Dies beruht vor allem auf einigen polemischen Bemerkungen, die sich Dambisa Moyo wohl nicht verkneifen konnte. Stören tut dies allerdings nicht. Es trägt vielmehr dazu bei, dass auch fachfremde Leser dem Buch viel abgewinnen können.

Raus aus dem Elend: Es ist notwendig, dass Afrika neue Wege beschreitet (Foto: Angela Sevin)

 

Raus aus dem Elend: Es ist notwendig, dass Afrika neue Wege beschreitet

Bild: Angela Sevin

Außerdem kann sich Moyo diese kleinen Abweichungen von der wissenschaftlichen Art des Schreibens durchaus erlauben, denn ihre Thesen sind nicht aus der Luft gegriffen. Sie arbeitet mit Beispielen, zieht Wirtschaftszahlen der letzten 60 Jahre zu Rate und spannt im ersten Teil ihres Buchs einen Bogen von den Anfängen der Entwicklungshilfe Mitte des letzten Jahrhunderts bis heute. Sie vergleicht die Entwicklungen Afrikas mit denen anderer Krisenregionen und bettet die afrikanische Problematik so geschickt in das globale Geschehen ein. Dies alles gelingt ihr, ohne dabei den roten Faden zu verlieren. Immer wieder weist sie den Leser auf ihr Anliegen hin: zu beweisen, dass Entwicklungshilfe der falsche Weg für Afrika ist.

Das Wichtige an ihrem Buch ist allerdings, dass sie nicht bei dieser Feststellung stehen bleibt. Auf den Erkenntnissen, die sie bei der Erforschung der Geschichte sowie der aktuellen Situation gewonnen hat, baut sie in einem zweiten Teil auf. Hierin geht sie auf die Frage ein, wie „eine Welt ohne Entwicklungshilfe“ aussehen könnte und vor allem, wie Afrika dorthin gelangen kann. Um ihre Vorschläge anschaulicher darstellen zu können, erfindet Moyo sogar ein neues Land. „Dongo“ ist der Prototyp eines afrikanischen Entwicklungslandes und deshalb gut geeignet, um an seinem Beispiel verschiedene Ideen für einen neuen afrikanischen Weg durchzuspielen.

Großes Interesse: Mit „Dead Aid“ heizte Dambisa Moyo (links) die Diskussion um Entwicklungshilfe neu an (Bild: canada.2020)

 

Mit „Dead Aid“ heizte Dambisa Moyo (links) die Diskussion um Entwicklungshilfe neu an

Bild: canada.2020

Dambisa Moyo hält es für unabdingbar, dass sich die Geberländer, die Weltbank und andere, an der Entwicklungshilfe beteiligte Institutionen dazu entschließen, ab einem bestimmten Zeitpunkt keine weiteren Zahlungen an afrikanische Staaten zu tätigen. Dann erst werden sich die afrikanischen Regierungen dazu gezwungen sehen, Investoren zu suchen und Binnen- sowie Außenhandelsnetzwerke auszubauen. Moyo sieht auch eine große Chance in neuen Formen der Vergabe von Kleinkrediten. Sie weist auf Modelle hin, die beispielsweise in Indien bereits erfolgreich angewandt werden, zieht China als Beispiel für ein Land heran, das schon seit einigen Jahren gewinnbringend in Entwicklungsländer (auch afrikanische) investiert.

Dambisa Moyo will damit zeigen: Ihre Ideen sind nicht fernab jeglicher Realität. Es gibt Erfahrungswerte aus der Praxis, die ihre Vorschläge stützen. Ein anderer Weg für Afrika ist möglich – wenn die Afrikaner dazu gebracht werden, sich aus der bequem gewordenen Abhängigkeit von Entwicklungshilfe zu befreien. Die Autorin ist überzeugt davon: „Afrikas Zeit ist jetzt.“ Nach Beenden der Lektüre wird auch der Leser diese Ansicht vertreten.

Das Buch

Dambisa Moyo: Dead Aid. Why Aid is Not Working and How There is Another Way for Africa. Penguin, London 2009, Taschenbuchausgabe 2010, ca. 12 Euro.

 

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