Lagert bald Atommüll im Ländle? Drucken E-Mail
Geschrieben von: Karl Urban   
Die Eignung von Tongestein für die atomare Endlagerung wird weiter untersucht. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie verlängerte Anfang Februar 2010 das Vorhaben eines Forschungsverbunds der Universitäten in Saarbrücken, Dresden, Mainz, München und Potsdam sowie der Forschungszentren in Dresden, Karlsruhe und Leipzig. Weltweit werden drei Wirtsgesteine für die atomare Endlagerung diskutiert: Neben dem kristallinen Granit und Salzgestein gehören mächtige Tonsteinschichten zu den Favoriten für die sichere Verwahrung über zehntausende von Jahren. Tonsteine sind komplexe Mineralgemische. Die bisherige Forschung konzentrierte sich auf ihren Hauptbestandteil, das Modellmineral Kaolinit. Nun soll von Chemikern das Verhalten von natürlichem Tonstein untersucht werden, in dem neben Kaolinit, Quarz und Kalzit auch organische Rückstände vorhanden sind. Sollte den Atommüllbehältern radioaktiv belastetes Wasser entweichen, muss der Tonstein mit seinem Mineralgemisch eine effiziente Barriere darstellen. Es ist jedoch völlig unklar, wie sich die radioaktiven Elemente Uran, Plutonium, Neptunium und deren Zerfallsprodukte verhalten, wenn sie in Kontakt mit den organischen Bestandteilen des Tonsteins kommen. Im schlimmsten Fall könnten sie die Verbreitung der Elemente sogar beschleunigen. Für die Endlagerung von Atommüll konzentrierte sich die deutsche Regierung bisher auf Salzstöcke. Unkontrolliert austretende Grubenwässer können hier zu nicht beherrschbaren Situationen führen. Aus dem Schacht Asse in Niedersachsen müssen mehr als 100.000 Fässer schwach- bis mittelradioaktiven Mülls kostspielig zurückgeholt werden. Ein sicheres Endlager in Salzstöcken ist seither heftig umstritten. Alternativ gelten mächtige Tonsteinschichten als interessant, darunter der im schwäbischen Untergrund verbreitete Opalinuston. Ein 60 Kilometer breiter Streifen zwischen Ulm und Riedlingen wäre geeignet. Ein zweiter Standort im Kreis Konstanz zwischen Engen und Gottmadingen käme in Frage. Auch die Schweiz denkt über ein eigenes Endlager im Opalinuston in Benken am Rheinfall nach. Siehe auch: Eine Frage der Sicherheit
 

©2008-2010 Studentenfutter

Admin: Attila Teglas || Universität Tübingen || Joomla! Template Design by funky-visions.de