Kein Nachwuchsproblem in Frankreich Drucken E-Mail
Geschrieben von: Dorothee Kottmeier   

„Ungleiche Nachbarn“ heißt eine Studie des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung. Sie zeigte auf, dass Frankreichs Einwohnerzahl kontinuierlich steigt, während Deutschlands Bevölkerung schrumpft. In Frankreich nimmt die Anzahl der Bürger jährlich um 0,5 Prozent zu. Vier Fünftel des Zuwachses sind auf einen Geburtenüberschuss zurückzuführen, ein Fünftel auf Migration. In Deutschland hingegen gibt es ein Geburtendefizit, welches weiter steigen wird, weil auch die Zahl der Frauen im gebärfähigen Alter weiter abnimmt.

Die Wissenschaftler führen diese gegensätzliche Entwicklung auf die ungleiche Familien- und Einwanderungspolitik der beiden Länder zurück. Schon in den 1970ern etablierten Frankreichs Politiker eine familiengerechte Zwei-Verdiener-Gemeinschaft. Gute Betreuungsmöglichkeiten, auch für Kinder unter drei Jahren, ermöglichten einen stetigen Einkommenszuwachs der Frauen, ohne dass dabei die Geburtenrate beträchtlich schrumpfte. Seither wurde in Frankreich die Schaffung von Betreuungsplätzen finanziell gefördert, seit 2008 wurden zusätzlich flexible Beschäftigungsmodelle etabliert.In Deutschland hingegen erlangten Frauen in den letzten Jahrzehnten zwar bessere Berufsqualifikationen, aber mit einer Unterstützung des Staates zur Familiengründung war nicht zu rechnen. Auch die Zuwanderungsquote in Frankreich ist mehr als zehn Mal so groß wie in Deutschland. Während die Zahl der MigrantInnen in Frankreich konstant blieb, ging sie in Deutschland seit 1990 stark zurück.

Beide Länder werden über lange Zeit von einer gesellschaftlichen Alterung betroffen sein, Deutschland jedoch in viel höherem Ausmaß, wodurch seine Wirtschaftskraft stark zurückgehen wird. Unsere Nachbarn können im Jahr 2050 mit einer etwa konstanten Zahl an Erwerbstätigen rechnen, während in Deutschland die Zahl der Personen im arbeitsfähigen Alter um 15 Millionen gesunken sein wird. Dieser Knappheit an Arbeitskräften wird die deutsche Wirtschaft laut der Studie von Dr. Reiner Klingholz und Stephan Sievert „nur durch Investitionen in Bildung, eine bessere Integration von Zuwanderern, Innovationen und Produktivitätssteigerungen begegnen können.“

 

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