Kollisionswolke statt Kometenschweif Drucken
Geschrieben von: Karl Urban   
Die neu entdeckte Wolke im Asteroidengürtel: Hubbles Falschfarbenaufnahme im sichtbaren Spektralbereich zeigt Filamentstrukturen, die vermutlich durch den Strahlungsdruck der Sonne entstanden. Die Verklumpungen bildeten sich um nicht sichtbare Gesteinsbrocken. Bild: Hubble, NASA, ESA Im Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter entdeckten US-Astronomen im Januar 2010 bei der routinemäßigen Durchmusterung des Himmels eine langgestreckte Wolke, die sie zuerst für einen Kometenschweif hielten. Eine gestochen scharfe Aufnahme des Hubble-Teleskops zeigt jedoch, dass sie zum ersten Mal die Auswirkungen einer Kollision von Asteroiden beobachteten. Der Asteroidengürtel besteht überwiegend aus festen, trockenen Gesteinskörpern, die in großem Abstand zueinander um die Sonne kreisen. Dagegen entstammen Kometen dem Rand des Sonnensystems und sind meist von Eis und Staub überkrustet. Sie bilden ihren charakteristischen Schweif erst aus, wenn sie der Sonne näher kommen. Dann verdampft der Eispanzer. Im Asteroidengürtel findet man normalerweise keinen Kometenschweif, da es hier zu warm ist. Hier haben die Gesteinsbrocken flüchtige Stoffe wie Wasser schon vor langer Zeit verloren. Selbst wenn sie der Sonne eine Stippvisite abstatteten, würden sie daher kaum einen Schweif ausbilden. Die Bahn der Wolke deckt sich mit jener der Flora-Gruppe, also Gesteinkörpern im inneren Bereich des Asteroidengürtels, die etwa fünf Prozent aller Asteroiden stellen. Zwischen zwei Kleinasteroiden der Flora-Gruppe muss es zur Kollision gekommen sein, was Aufnahmen des Hubble-Teleskop belegen. Die innere Struktur der Staubwolke unterscheidet sich deutlich von typischen Kometenschweifen. Auch die Zusammensetzung des sehr trockenen Staubs deutet auf einen Zusammenstoß von Asteroiden hin. Kollisionen wie diese passierten vor wenigen Milliarden Jahren ständig. Im Sonnensystem von heute sind sie zur Seltenheit geworden. Siehe auch: Fotoshooting von Exoplaneten und Die größte Aufnahme der Himmelskugel