Ein Sportler kennt keinen Schmerz Drucken
Geschrieben von: Wiebke Harle   

Dies ist zumindest die Einstellung, die im heutigen Spitzensport gern gesehen wird. Fit statt gesund – so lautet die gefährliche Maxime vieler Hochleistungssportler. Eine Gruppe um den Tübinger Sportwissenschaftler Ansgar Thiel ermittelte in einer aktuellen Studie, dass Profisportler dazu neigen, sowohl körperliche als auch psychische Krankheiten vor Teamkameraden, Trainern und Ärzten zu verbergen. Der Selbstmord des Fußballprofis Robert Enke im November 2009 war ein alarmierendes Beispiel dafür. Die Fähigkeit, im Wettkampf reibungslos zu funktionieren, werde über die eigene Gesundheit gestellt, so die Forscher. Dass die Schuld für diese Entwicklung im System zu suchen ist, steht für Ansgar Thiel fest. Krankheiten hätten im leistungsorientierten Sport keinen Platz und würden deshalb als solche erst wahr- und ernst genommen, wenn es eigentlich schon zu spät sei. So steigt die Gefahr für Langzeitschädigungen erheblich. Thiels Studie legt nahe, den Umgang mit Krankheit im Sport neu zu überdenken.