Ich leide, also bin ich. Drucken
Geschrieben von: Maximilian Liesner   

Jugendliche wollen unglücklich, Ältere wollen glücklich sein. So könnte man in überspitzter Weise das Ergebnis einer Studie zusammenfassen, die das Berliner Max-Planck-Institut für Bildungsforschung zusammen mit dem Langzeitprojekt „Sozioökonomisches Panel“ durchgeführt hat. Die Wissenschaftler suchten nach einem Ansatz, um die häufigen Gefühlsschwankungen bei jungen und das oft auftretende Wohlbehagen bei alten Menschen zu erklären.

Dazu befragten sie 378 Studienteilnehmer von 14 bis 86 Jahren drei Wochen lang insgesamt 54 Mal in gewöhnlichen Alltagssituationen über ihr aktuelles Befinden. In Kontakt standen Forscher und Teilnehmer über Mobiltelefone. Die 14- bis 18-Jährigen berichteten relativ häufig über negative Gefühle und gaben in einem Viertel der Situationen sogar an, ihren Frust beibehalten oder sogar intensivieren zu wollen. Positive Empfindungen spielten die Jugendlichen dagegen eher herunter.  Bei den Teilnehmern über 60 Jahre hingegen kamen solche Leidenwünsche nur in zehn Prozent der Fälle vor.
Aus diesen Ergebnissen schließen die Untersuchungsleiter nun, dass ältere Menschen angesichts der sich abzeichnenden Begrenzung ihrer Lebenszeit versuchen, möglichst häufig positiv gestimmt durch die Welt zu gehen. Im Gegensatz dazu sehen die Wissenschaftler in der negativ gestimmten Grundeinstellung der Jugendlichen eine emotionale Abgrenzung zur Erwachsenenwelt und das Streben nach emotionaler Unabhängigkeit.