Die Mathematik der Fledermäuse Drucken
Geschrieben von: Laura Hennemann   
Nilflughung im Anflug

Peilung ist alles: ein Nilflughund im Landeanflug. Für das Bild wurde ausnahmsweise die Versuchskugel durch einen Apfel ersetzt.

Bild: Yossi Yovel

Dass Fledermäuse von höherer Mathematik nicht viel verstehen, dem wird jeder zustimmen. Forscher am Weizmann-Institut in Israel und an der Universität Maryland, USA, haben nun aber herausgefunden, dass sich manche dieser fliegenden Säugetiere die Differenzialrechnung effektiv zu Nutzen machen. Ihre Ergebnisse präsentierten die Forscher im Februar in der Zeitschrift Science.

Bisher war allgemein bekannt, dass sich Fledermäuse mithilfe des Echos ihrer eigenen Ultraschallaute orientieren. Als Yossi Yovel und seine Kollegen einigen Tieren beibrachten, in einem dunklen Raum eine zufällig platzierte Kugel zu finden und auf ihr zu landen, stellten sie allerdings fest, dass die Fledermäuse abwechselnd links und rechts an der Kugel vorbei riefen. Denn zum Finden eines Objekts mag es zwar am effektivsten sein, es mit maximaler Schallintensität aufzuspüren, beim exakten Landeanflug aber ist die exakte Ortung des Objektes wichtiger. In diesem Fall brachte die steil in der Intensität abfallende Flanke ihres Schallkegels den Fledermäusen die bessere Auskunft. Simulationen zufolge nutzen sie damit optimal die mathematische Ableitung der Schallintensität aus: An der Schallflanke führen kleine Änderungen der Position zu großen Intensitätsänderungen, was ein deutlich genaueres Anpeilen ermöglicht.

Verwirrte man die Tiere allerdings durch zusätzliche Schallsignale, gingen sie dazu über, die Kugel wieder konventionell mit dem Maximum ihres Schalkegels zu suchen. „Es kann sein, dass auch andere Tiere diese Strategie mit anderen Sinnesorganen umsetzen“, vermutet Yovel. „Aber auch sie müssten damit leben, dass sie sich zwischen effizientem Finden und exaktem Orten entscheiden müssen; beides zusammen bekommt man eben nicht.“

Siehe auch: Schlafplatz auf Zuruf