Frauen, Familie – und Forschung! Drucken
Geschrieben von: Nicole Posth   

Eine Laborforscherin, die Mutter wird, ist immer noch keine Selbstverständlichkeit in Deutschland. Meist leidet die Karriere, wenn eine Wissenschaftlerin Familie hat. Studentenfutter sagt, was sich ändern muss.

Wir kennen KKK (Kinder, Kirche, Küche). Aber existiert eine Welt von FFF (Frauen, Familie, Forschung) im heutigen Deutschland? Laut Statistiken der Europäischen Kommission sind 30 Prozent aller wissenschaftlichen Forscher in Europa Frauen, in den Naturwissenschaften nehmen Frauen allerdings europaweit nur 11 Prozent der höchsten akademischen Stellen ein. In Deutschland liegt der Prozentsatz von Frauen in den höchsten akademischen Stellen in den Naturwissenschaften bei mageren 7,4 Prozent. Woran das wohl liegt?

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) stellt fest: „Für die meisten Wissenschaftlerinnen stellt sich genau in ihrer wissenschaftlichen Qualifizierungsphase altersbedingt die Frage der Familiengründung. Aber auch junge Wissenschaftler sind oft in einem frühen Stadium ihrer Karriere mit Fragen der Familiengründung und ihrem Rollenverständnis als Partner oder Vater konfrontiert.“

Und in der Tat: Die Jahre nach der Promotion sind extrem wichtig für Wissenschaftler beiderlei Geschlechts, die eine akademische Stelle anstreben. In dieser Zeit müssen sie sich durch Teilnahme an Konferenzen und die erfolgreiche Veröffentlichung ihrer Arbeiten einen Ruf erarbeiten. Publikationen in hochwertigen internationalen Journalen sind für potenzielle Arbeitgeber der einfachste Weg, die professionelle Leistung einer Bewerberin oder eines Bewerbers einzuschätzen. Eine Frau, die erst mit 30 Jahren promoviert, eine akademische Stelle als Ziel und einen Familienwunsch hat, muss also weiterhin im Labor tätig sein, um publizieren zu können.

Auch die DFG setzt sich „nachdrücklich für einen Wissenschaftsbetrieb ein, der eine Entscheidung ‚Karriere oder Kinder‘ weder von Männern noch von Frauen verlangt. Vielmehr soll es jeder Person möglich sein, neben der Verfolgung einer wissenschaftlichen Karriere eine Familie zu gründen und angemessen zu betreuen.

Hier gilt es auch, althergebrachten geschlechtsspezifischen Rollenverständnissen und Vorurteilen entgegenzutreten.“

Der Erfolg von Frauen, die ihr Karriereziel an der Spitze der Forschungshierarchie sehen, hängt aber nicht nur davon ab, ob sie den Kampf gegen veraltete Rollenverständnisse und Vorurteile gewinnen. Entscheidend sind auch die handfesten Probleme des Alltags wie Kinderbetreuung für Familien, in denen beide Partner arbeiten, sowie Laborvertretungen für Schwangere und stillende Mütter, die mit Gefahrstoffen hantieren. Es gibt viele Hürden. Sie haben ihre Wurzeln in der Infrastruktur der deutschen Forschungsinstitute und der wissenschaftlichen Finanzierungsmechanismen. So fehlen zum Beispiel Kindertagesstätten für Kinder von Wissenschaftlerinnen an deutschen Universitäten, die es Nachwuchswissenschaftlerinnen möglich machen würden, nach der Geburt ihres Kindes mehr als nur eine 50-Prozent-Stelle anzunehmen.

Zwei Wissenschaftlerinnen an deutschen Hochschulen, Prof. Dr. Kirsten Küsel (Universität Jena) und Prof. Dr. Andrea Koschinsky (Jacobs-Universität Bremen), erzählten „Studentenfutter“, wie es ihnen gelang, diese Hindernisse zu überwinden und sowohl eine Forschungskarriere als auch eine Familie erfolgreich zu etablieren.

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Die Deutsche Forschungsgemeinschaft zum Thema Chancengleichheit

Studie der Europäischen Kommission „She Figures 2009” (pdf; 5,44 MB)