Modellieren der Hornhaut mit dem eigentlich unsichtbaren Laserstrahl
Bild: VSDAR

LASIK, PRK, Flaps und Femtosekundenlaser – wer mit dem Gedanken spielt, sich die Augen lasern zu lassen, steht schnell vor einem Dickicht an Fachbegriffen und Markenbezeichnungen. Studentenfutter will Ihnen die Orientierung erleichtern und die wichtigsten Fragen beantworten.

Egal ob beim Aufstehen, beim Sport oder auf der Suche nach dem Handtuch am Strand – weder Brillen noch Kontaktlinsen können ein scharfes Auge ersetzen. Können Brillen nicht das ganze Sehfeld abdecken, so entstehen mit Kontaktlinsen spätestens beim Schwimmen oder durch trockene Augen Unannehmlichkeiten. Warum also nicht den Traum der ewigen Jugend träumen und eine Laser-OP wagen? Diese Frage hat sich wohl die Mehrzahl der Menschen mit einem Sehfehler bereits gestellt. „Eine Operation am Auge? Das ist mir zu heikel!“, so lautet die häufigste Antwort. Doch gerade weil das Auge unser wichtigstes Sinnesorgan ist, lohnt es sich, sich genauer mit dem Eingriff auseinanderzusetzen.

Was geschieht überhaupt während des Augenlaserns?

Die Aufgabe des Auges besteht darin, einfallendes Licht durch seine Brechkraft im Brennpunkt auf der Netzhaut zu bündeln. Trifft Licht auf das Auge, so ändert sich dessen Strahlenverlauf durch die Brechkräfte von Hornhaut, Augenflüssigkeit und Linse. Ist das Auge nicht dazu in der Lage, den Brennpunkt auf die Netzhaut zu verschieben, spricht man von Kurz- oder Weitsichtigkeit. Brillen und Kontaktlinsen können dafür sorgen, dass sich das Licht dennoch auf der Netzhaut bündelt. „Da wird sozusagen die Brechkraft verändert.“, so Eckhard Weingärtner, ärztlicher Leiter des EuroEyes AugenLaserZentrums Stuttgart im Interview mit Studentenfutter. „Beim Augenlasern wollen wir das simulieren, indem wir an der Hornhautoberfläche Gewebe abtragen“, erläutert Weingärtner.

Die Idee, ausgerechnet mit einem Laser das Sehvermögen zu verbessern, klingt auf den ersten Blick paradox: Wendet man einen Laser gezielt an, so konzentriert sich die Energie des Laserlichts im Brennpunkt so sehr, dass an der gewünschten Stelle Gewebe zerstört wird. „Das Gewebe wird verdampft“, erklärt der Laserspezialist.

Wie genau kann gewährleistet werden, dass der Laser nur an den gewünschten Stellen wirkt?

Eckhard Weingärtner, ärztlicher Leiter des EuroEyes-Augenlaserzentrums Stuttgart. Bild: privat

Von Bedeutung ist hierbei die Wellenlänge des Laserlichts. Diese beeinflusst, in welcher Tiefe sich der Laserstrahl bündelt, wo also das Gewebe zerstört wird. Bei sehr geringen Wellenlängen kann sich der Laser schon in der Hornhaut bündeln. Deshalb wird bei der Operation sehr kurzwelliges Laserlicht benutzt.

Die Position des Laserstrahls wird bei der Laserbehandlung durch eine ausgeklügelte Software gesteuert. Das Programm sorgt dafür, dass nur an gewünschten Stellen gelasert wird – vor der Operation wird deshalb das Auge vermessen. Außerdem ist es nur für eine Maschine möglich, mit einer Präzision von wenigen Mikrometern zu lasern. Eine raffinierte Methode ist außerdem die Wellenfrontanalyse des Auges: Während Brillen und Kontaktlinsen nicht alle Sehfehler korrigieren können, ist es dank der Wellenfrontanalyse möglich, auch kleinere Unregelmäßigkeiten der Hornhaut zu korrigieren, die unter anderem für Sehprobleme in der Dämmerung verantwortlich sein können. Dazu misst eine Apparatur die Brechkraft des Auges an über 1000 Punkten und erstellt eine „Landkarte des Auges“. Durch diese Daten kann der Laser auch diese Fehler beseitigen – was zum Beispiel die Sicht bei Nacht verbessern kann.

Welche Laserverfahren gibt es, und was sind ihre Vor- und Nachteile?

Gängig sind heute vor allem die folgenden Verfahren:

Beim LASIK-Verfahren schneidet der Arzt mit einem mechanischen Mikrohobel ein dünnes Scheibchen in die oberste Hornhautschicht und klappt es zur Seite. Dann erst beginnt das eigentliche Lasern: Ein im ultravioletten Bereich des Lichts strahlender Eximer-Laser trägt in wenigen Sekunden das Hornhautgewebe ab. Danach klappt der Chirurg das Scheibchen, auch Flap oder Hornlaut-Lamelle genannt, wieder auf die normale Position zurück, spült das Auge und glättet das Scheibchen.

Beim Femto-LASIK-Verfahren wird die Hornhaut-Lamelle durch einen Femtosekundenlaser erzeugt. Dieser Laser erzeugt durch kurze Lichtpulse kleine Gasbläschen in einer vorher definierten Tiefe, bis der Operateur die Lamelle abheben kann. Dann kommt wie bei der klassischen LASIK der Excimer-Laser zum Einsatz. Durch den Femtosekundenlaser können Fehlschnitte vermieden werden – und auch die Rehabilitation erfolgt schneller.

Bei PRK- und LASEK-Verfahren verdampft der Arzt das Gewebe im Gegensatz zu den LASIK-Verfahren direkt an der Oberfläche. Nachteile sind Schmerzen nach der Operation, erhöhte Entzündungsgefahr und mögliche Narbenbildung. Der Vorteil ist allerdings, dass die Methode manchmal angewandt werden kann, wenn die Hornhautdicke für eine LASIK-Behandlung nicht ausreicht.

Ein neues, vielversprechendes Verfahren ist das von der Firma Carl Zeiss Meditec entwickelte ReLEx Smile- Verfahren. „ReLEx ist LASIK ohne Flap und PRK ohne Schmerzen“, so Dr. Rupal Shah, einer der ersten Anwender des Verfahrens in einer Pressemitteilung der Carl Zeiss Meditec vom 16.09.11. Soll heißen: Ein Laser schneidet innerhalb der Hornhaut ein Scheibchen heraus, ohne dass vorher eine Lamelle abgehoben werden muss. Dieses Scheibchen wird durch einen kleinen Laser-Schnitt mechanisch entnommen. Dadurch bleibt die Stabilität der Hornhaut besser erhalten. Und auch das Risiko, nach dem Eingriff trockene Augen zu haben, ist mit dem neuen Verfahren angeblich geringer – es werden weniger Nervenbahnen durchtrennt, die den Tränenfluss steuern. Nachteilig ist allerdings die fehlende Langzeiterfahrung mit der neuen Methode, zudem erfordert ihr Einsatz eine gewisse Mindestfehlsichtigkeit. Das Verfahren liefert meist sehr exakte Ergebnisse. Allerdings muss der Arzt bei möglichen Nachkorrekturen auf die herkömmlichen Verfahren zurückgreifen.

Angesichts dieser Vielfalt an Möglichkeiten fällt die Orientierung vielen Patienten erst einmal schwer. Das gängigste Verfahren ist nach wie vor die Femto-LASIK. „Wir bei EuroEyes in Stuttgart behandeln etwa 90 Prozent unserer Patienten mit dem Femtosekundenlaser“, so Weingärtner. Der Vorteil liegt auf der Hand: bei den LASIK-Verfahren hat der Patient weder vor noch nach der Operation Schmerzen – das Gewebe wird im unempfindlichen Inneren der Hornhaut verdampft.

Wie läuft eine Laser-Behandlung ab, und wie erlebt der Patient den Laservorgang?

Zurückklappen des Hornhautscheibchens
Bild: VSDAR

„So ein Eingriff setzt eine gute Voruntersuchung voraus. Wir machen zwei Untersuchungen. Einmal untersuchen wir, ob der Patient geeignet ist, untersuchen die Hornhautdicke, wie die Brechkraft ist und die Netzhaut. Bei der großen Voruntersuchung werden dann auch die Pupillen weitgetropft und die exakten Werte für die OP ermittelt“, erklärt der Mediziner. „Vor der Operation bekommt der Patient dann eine Beruhigungstablette“, so der Augenarzt. Der eigentliche Eingriff ist schmerzfrei und dauert für beide Augen nur etwa 30 Minuten. „Während der Behandlung liegt der Patient und schaut die ganze Zeit auf ein Licht“, führt Weingärtner weiter aus. Bei der LASIK-Behandlung mit mechanischem Mikrohobel wird während des Schnittes ein Saugring aufs Auge gesetzt, um das Auge stillzuhalten. Die Angst seiner Patienten, während des Laserns nicht geradeausschauen zu können kann der Augenchirurg ausräumen: „Der Laser hat einen Verfolgungsmechanismus, wir nennen das Eyetracker, der dem Auge nachgeht, wenn der Patient es bewegt.“ Auch das Laserlicht sieht der Patient nicht, da es im nicht-sichtbaren Bereich des Lichts ist. Nachdem der Laservorgang abgeschlossen ist, muss noch die Lamelle zurückgeklappt und geglättet werden.

Wer kann sich lasern lassen?

Bundesweit finden jährlich mehr als 100.000 Augenlaseroperationen statt – Tendenz steigend. Doch nicht jedes Auge ist geeignet: „Die Werte sollten mindestens die letzten ein bis zwei Jahre stabil geblieben sein. Weil sich die Sehkraft bei jüngeren Patienten häufig noch ändert, sollte man mindestens 18 Jahre alt sein. Außerdem darf die Hornhaut eine gewisse Mindestdicke nicht unterschreiten und die Augen sollten nicht allzu trocken sein“, führt Weingärtner aus. LASIK und Femto-LASIK sind bei Kurzsichtigkeit bis zu etwa -10 Dioptrien, bei Weitsichtigkeit bis zu +4 Dioptrien möglich – die individuelle Eignung muss aber vom Arzt geprüft werden. Andere Laser-Methoden erlauben jedoch auch die Korrektur ausgeprägterer Sehfehler.

Wie hoch sind die Erfolgsaussichten und wie viel kostet die Operation?

Wie jede Operation ist auch das Augenlasern mit Risiken verbunden. „Was es häufig gibt, ist ein Trockenheitsgefühl nach so einer Operation. Viele Patienten haben trockene Augen und lassen sich deswegen lasern. Dieses Trockenheitsgefühl kann durch die OP am Anfang verstärkt werden, nivelliert sich aber dann“, erklärt der Laserspezialist. Weniger häufig kann es auch zu Entzündungen, verschlechterter Nachtsicht oder der erneuten Verschlechterung der Sehkraft kommen. „Insgesamt ist die OP heute sehr sicher“, erklärt der Augenarzt in Bezug auf die LASIK-Methode.

In guten Augenzentren liegt die Erfolgsquote beim Augenlasern bei über 90 Prozent – als Erfolg gilt dabei eine maximale Abweichung von höchstens einer halben Dioptrie vom Wunschergebnis. „Die Wahrscheinlichkeit, nachlasern zu müssen liegt bei etwa drei bis fünf Prozent der Fälle“, so Weingärtner. Dabei hängt es von der Hornhautdicke ab, ob Nachlasern möglich ist.

Die Kosten für eine Augenlaseroperation werden nicht von der Krankenkasse übernommen und liegen in Deutschland bei etwa 2000 Euro pro Auge. Bevor man sich für eine Laser-OP entscheidet, sollte man sich ausführlich über die Qualität des Augenzentrums informieren – insbesondere wenn man die Behandlung im Ausland durchführen lassen möchte. Dort ist es bei Behandlungsfehlern mitunter problematisch, die Klinik haftbar zu machen.

Auch wenn das Augenlasern inzwischen mit deutlich geringeren Risiken verbunden ist, sind Komplikationen wie bei jeder anderen Operation natürlich nicht ausgeschlossen. Deshalb bleibt die Entscheidung für oder gegen eine Augen-OP wohl auch in Zukunft eine Frage der persönlichen Grundsätze.

Doch immerhin haben Sie jetzt klare Sicht auf die verschiedenen Möglichkeiten, die das  Augenlasern bietet.

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