Der Verlauf der größeren Nervenbahnen im Gehirn, gewonnen mit Diffusions-Tensor-Bildgebung.  CC-BY Thomas Schultz

Ein wissenschaftliches Großprojekt, wie es es nur im 21. Jahrhundert geben kann, hat kürzlich seinen ersten Datensatz veröffentlicht: „Connectome“ ist der Name dieser ehrgeizigen Vision, die die genaue Kartographisierung des menschlichen Gehirns bis in den letzten Winkel zum Ziel hat. Hinter Connectome stehen über 100 Forscher von verschiedenen Universitäten und medizinischen Institutionen überall in den USA und Europa,  geleitet von David C. Van Essen von der Washington University School of Medicine und Kamil Ugurbil von der University of Minnesota. Finanziert wird das Projekt von den amerikanischen National Institutes of Health. Bemerkenswert an Connectome ist dreierlei:

Erstens sind die mit mehreren eigens entwickelten MRI-Methoden gewonnenen Daten um vieles präziser als alle bisher aufgenommen Bilder des Gehirns. In der Tat sind sie zeitlich und räumlich so hoch aufgelöst, dass sie einen virtuellen Spaziergang durch echte Gehirne erlauben – man denke sich Google Street View im menschlichen Gehirn.

Zweitens handelt es sich nicht um statische Karten, sondern sie können für verschiedenste Gemüts- und Aktivitätszustände angezeigt werden. Auch Individuen mit unterschiedlichen emotionalen, kognitiven oder charakterlichen Eigenschaften und sogar biologisch verwandte Hirne wie die von Zwillingspaaren hält die Datenbank zum Vergleich bereit. Derzeit sind die Gehirne von über 60 gesunden Erwachsenen erfasst, doch das Endziel liegt bei circa 1200 gescannten Gehirnen mit Daten im Umfang von einem Petabyte.

Drittens hat Connectome selbst keinen genau abgegrenzten Forschungsauftrag, sondern hauptsächlich das Ziel, eine virtuelle Bibliothek hochwertiger Gehirnkarten anzulegen. Da auf diese jeder Wissenschaftler nach einer einfachen Online-Registrierung unbegrenzt zugreifen kann, ist die eigentliche Leistung von Connectome, einen Nährboden für Gehirnforschung weltweit bereitzustellen.

Eine dem einfachen Internetnutzer zugängliche Version gibt es noch nicht, doch wenn Projekte wie Galaxy Zoo oder Foldit einen Trend im Umgang mit riesigen wissenschaftlichen Datenmengen markieren, so wird bestimmt auch bald darüber nachgedacht, neugierige Laien als Kundschafter im Dienste der Wissenschaft in die Gehirngänge einzulassen.

Mehr Informationen unter: www.humanconnectomeproject.org

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