Bewegungen auf dem Kunstmarkt: Liebhaber oder Spekulanten?

Einige Kunstmärkte erleben derzeit wahrscheinlich eine Spekulationsblase. Mit einer neuen statistischen Methode haben Wirtschaftswissenschaftler der Luxembourg School of Finance die Bewegungen auf mehreren Kunstmärkten untersucht. Dabei fanden sie außerordentlich hohe Aktivität in den Segmenten „Impressionistisch und Modern”, „Nachkriegszeit und Kontemporär”, „Amerikanisch” und „Alte Meister“.

Um eine mögliche Blasenbildung zu untersuchen, musste das Team um Roman Kräussl die Besonderheiten des Kunstmarktes beachten. Eine Blase entsteht per Definition, wenn in einem Markt für Wertanlagen die Preise über ein bestimmtes Niveau steigen. Dieses Niveau wird durch den Wert des Materials eines Produkts ermittelt oder durch das Versprechen zukünftiger Einnahmen; ein Beispiel dafür wären die Dividenden einer Aktie. Als erwiesen gilt die Blase jedoch nur, wenn sie auch platzt. Da ein Kunstwerk allerdings weder große Einnahmen verspricht, noch notwendigerweise aus besonderen Materialien bestehen muss, ist es nur schwer als klassische Wertanlage zu begreifen. Des Weiteren wird der Preis von Kunst durch sehr subjektive Kriterien bestimmt – so zum Beispiel durch individuellen Geschmack oder Modeerscheinungen.

"Balloon Dog" de Jeff Koons dans les grands appartements du château de Versailles (Salon d'Hercule)
Jeff Koons’ “Balloon Dog (pink)” im Schloss Versailles. Die orangene Fassung der Skulptur ist seit dem Verkauf nicht mehr öffentlich ausgestellt. Bild: CC BY 2.0: Jean-Pierre Dalbéra / Flickr

Die jüngsten Auktionserlöse in Rekordhöhe, etwa von Jeff Koons‘ „Balloon Dog (Orange)“, würden zwar laut den Autoren nur einen winzigen Bruchteil des Kunstmarktes darstellen, sie seien aber auch nur die Spitze des Eisbergs. So zitieren sie eine Studie aus dem Jahr 2013, laut der 80 Prozent der gehandelten Kunstwerke einen Preis von 5000 Dollar nicht überstiegen. Trotzdem konnten sie schließen, dass der Kunstmarkt, dessen Wert Experten auf über drei Billionen Dollar schätzen, von einer Spekulationsblase betroffen ist. Die Stichhaltigkeit ihrer statistischen Untersuchungen zeigten die Forscher, indem sie auch vergangene Kunstblasen, etwa jene im Jahr 1990, in ihren Daten fanden. Auch das beobachtete Zusammentreffen eines plötzlichen Wertverfalls – das Platzen der Blase – in mehreren Segmenten sei Beweis für die Vorhersagekraft der Untersuchung.

Die Daten zeigen, so das Team, dass seit 2010 eine Blase in den zuvor genannten Marktsegmenten entsteht. Ob diese tatsächlich ein böses Erwachen für die Investoren mit sich bringt, bleibt abzuwarten. Die Autoren planen Folgestudien, um die Blasenbildung im Kunstmarkt frühzeitig zu erkennen.

Adrian von Jagow

Adrian hat gerade seinen Bachelor in Volkswirtschaftslehre abgeschlossen. Neben seinem Nebenfach und Steckenpferd Sinologie interessiert ihn vor allem das nachhaltige und ethische Wirtschaften. Dass davon so viel in Tübingen praktiziert wird, hat den Hamburger fasziniert – und dazu bewogen nachzuforschen, warum das so ist.