Forscher bestätigen Volksweisheiten zum Trauern

Die Zeit heilt alle Wunden, sagt man. Was dich nicht umbringt, macht Dich stärker, sagt man. Jetzt darf man das, mit Einschränkungen, wissenschaftlich fundiert sagen. Denn Forscher der Universität Würzburg haben genau das jetzt nachgewiesen.

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Trauernde. Bild: CC-BY-SA Slick / Wikimedia Commons

In der Studie untersuchten die Psychologen Joachim Wittkowski und Rainer Scheuchenpflug das Trauerverhalten von mehr als 500 Personen. Die meisten von ihnen hatten entweder einen Ehepartner oder ein Kind verloren. Die Betroffenen haben über einen Zeitraum von über zwei Jahren in Fragebögen festgehalten, wie es ihnen geht. Wittkowski fasst die Ergebnisse zusammen: „Innerhalb des ersten Jahres nehmen Beeinträchtigungen durch (…) Gefühle (…) und das Empfinden der Nähe zu der verstorbenen Person (…) stark zu.“ In den folgenden zwölf bis 18 Monaten nehmen diese Gefühle dann wieder ab. Dabei trauern Frauen stärker als Männer.

Außerdem berichteten die Teilnehmer der Studie in den Fragebögen, dass sie nach dem Ende der Trauerphase mehr positive Erlebnisse haben und eher Mitgefühl mit anderen empfinden können. Wittkowski schließt, dass „Trauern auch mit persönlichem Wachstum verbunden“ ist und „von den Betroffenen rückblickend positiv erlebt wird.“

Die Zeit heilt also alle Wunden und was Dich nicht umbringt, macht Dich stärker. Das könnten die Ergebnisse sein. Doch die Forscher haben auch festgestellt, dass „sich erst im zweiten Jahr nach dem Verlust entscheidet, ob (…) ein normaler Bewältigungsprozess oder ein behandlungsbedürftiges Trauern vorliegt.“

Für die meisten Menschen gelten also diese Volksweisheiten. Doch bei manchen heilt die Zeit die Wunde nicht und sie werden durch den Schmerz nicht stärker.

Gustav Theile

Gustav studiert im Bachelor Wirtschaft, Politik, Literatur und Koeranistik in Tübingen. Irgendwann wird er damit mal fertig sein. Er engagiert sich für mehr Vielfalt in den Wirtschaftswissenschaften in Tübingen und international. Im Studentenfutter befasst er sich mit dem Stipendienwesen in Deutschland und fragt sich, warum die gefördert werden, die sowieso schon privilegiert sind.