Endlich krank – neue Erkenntnisse zu Poststress-Symptomen

Lässt der Stress nach, kommt der Schmerz. Bild: CC BY-NC-ND 2.0 Vanessa Bozzano

Wer sich nach langen Phasen des Stresses nach dem Wochenende sehnt, wird oft enttäuscht: Kaum lässt der Stress nach, holen die Gestressten Symptome wie Erschöpfung, Kopf- und Rückenschmerz ein. Das Auftreten dieser Krankheitszeichen, die die Forschung Poststress-Symptome nennt, hat nun ein Psychologen-Team um Sandra Waeldin von der Universität Trier untersucht.

Bisher, so schreiben die Wissenschaftler in ihrer Veröffentlichung, sei es schwierig gewesen, die Symptome auf Stress zurückzuführen. Da sie erst nach einer Stressphase auftreten, ist ein ursächlicher Zusammenhang schwer nachzuweisen.

Die Trierer versuchten es dennoch. Sie untersuchten drei Gruppen mit intensiven Befragungen: ambulante und stationäre Patienten mit psychiatrischer Diagnose sowie eine Kontrollgruppe. Während nur 2,9 Prozent der Kontrollgruppe über Poststress-Symptome klagten, waren es bei den ambulanten Patienten 20, bei den stationären sogar 34,6 Prozent.

Die Forscher analysierten mit statistischen Verfahren, welche Faktoren die Symptome am besten erklären könnten: das Bildungsniveau, psychosozialer Stress oder die individuell wahrgenommene Erschöpfung. Ihre Schlussfolgerung: Poststress-Syndrome kommen häufig unter stationär gepflegten Patienten vor. Am besten erklärt werden sie vom gefühlten Erschöpfungsniveau. Während 75 Prozent der gefühlt Erschöpften über die Symptome nach Stressphasen klagten, waren es bei denen, die sich kaum oder gar nicht erschöpft fühlten, nur 25 Prozent.

Welche biochemischen Prozesse diesen Symptomen zugrunde liegen, untersucht die Arbeitsgruppe um Dirk Hellhammer, ebenfalls in Trier: „Stressbelastung mobilisiert besonders stark den Botenstoff Noradrenalin (…). Sind die Anforderungen besonders intensiv und dauerhaft, dann übersteigt der Verbrauch an Noradrenalin die Neusynthese. In Ruhephasen wird dann zu wenig Noradrenalin freigesetzt und es kommt zu einer Balancestörung von Funktionen im Nerven- und Immunsystem.“

Diese Fehlregulation lässt sich nun mithilfe eines in Trier entwickelten Verfahrens messen. Gegen die Symptome können Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel helfen, aber auch gezielte Pausen und ein Stressbewältigungstraining.

Quellen:

Waeldin, S., Vogt, D., Linden, M., Hellhammer, D. H., “Frequency of Perceived Poststress Symptoms in Inpatients, Outpatients and Healthy Controls: The Role of Perceived Exhaustion and Stress” in: Psychother Psychosom 2016, 85: 36–44

Die Veröffentlichung ist online verfügbar: http://www.karger.com/Article/Pdf/438866

Adrian von Jagow

Adrian hat gerade seinen Bachelor in Volkswirtschaftslehre abgeschlossen. Neben seinem Nebenfach und Steckenpferd Sinologie interessiert ihn vor allem das nachhaltige und ethische Wirtschaften. Dass davon so viel in Tübingen praktiziert wird, hat den Hamburger fasziniert – und dazu bewogen nachzuforschen, warum das so ist.