Neue Schwachstellen des Aids-Virus erkannt

Mit HIV infizierte T-Zelle (CC BY 2.0: NIAID)
Mit HIV infizierte T-Zelle. Bild: CC BY 2.0 NIAID / Flickr

Das HI-Virus hat eine Lieblingssequenz in seinem Erbgut. Das haben Forscher am Tübinger Max-Planck-Institut für Entwicklungsbiologie in Zusammenarbeit mit einer Stockholmer Arbeitsgruppe herausgefunden. Da sich Evolutionsprozesse beim HI-Virus besonders schnell abspielen, konnten die Wissenschaftler sich die Veränderung der DNS sozusagen im Zeitraffer anschauen.

Das Virus, das bei unterlassener Behandlung die Autoimmunerkrankung AIDS auslösen kann, mutiert, um sich vor dem Immunsystem des Trägers zu verstecken. Manche für die Funktion des Virus nicht relevante Teile des Genoms mutieren dabei schneller als andere.  Jene Regionen im Erbgut, die wichtige Funktionen ausführen, bleiben dagegen erhalten.

Das Team rund um Fabio Zanini berechnete für jede Stelle des Genoms die weltweit am häufigsten beobachtete Sequenz. Im Anschluss verglichen sie diese Konsensus-Sequenz mit den Viren von Probanden, deren Daten sie über Jahre gesammelt hatten. Das Ergebnis: Etwa 30 Prozent aller Veränderungen in den Probandengenomen seien Rückmutationen zu den beim Virus beliebten Sequenzen. Richard Neher, der Leiter der verantwortlichen Arbeitsgruppe, erklärt: „Das Immunsystem versucht, das Virus von [seiner Lieblingssequenz] wegzutreiben. Wenn der Druck durch das Immunsystem aber aufhört, gehen die Viren wieder zu dieser Sequenz zurück.“ Dies könne passieren, wenn das Virus übertragen wird und das Immunsystem des Neuinfizierten andere Teile des Virus erkennt und bekämpft.

Die Resultate könnten neue Ansätze für einen möglichen Impfstoff gegen das Virus bieten. Trotz der vielen möglichen Mutationen des Virus gibt es dafür Hoffnung. „Wir haben herausgefunden, dass die ‚Schwachstellen‘ der Viren bei unterschiedlichen Patienten oft dieselben sind“, sagt Fabio Zanini. „Diese sollte man jetzt weiter untersuchen, um effektive Impfstoffe zu entwickeln.“

Adrian von Jagow

Adrian hat gerade seinen Bachelor in Volkswirtschaftslehre abgeschlossen. Neben seinem Nebenfach und Steckenpferd Sinologie interessiert ihn vor allem das nachhaltige und ethische Wirtschaften. Dass davon so viel in Tübingen praktiziert wird, hat den Hamburger fasziniert – und dazu bewogen nachzuforschen, warum das so ist.