Antibiotikaeinsatz muss neu reguliert werden

Den weltweit gängigen Gebrauch von Antimikrobiotika in der Landwirtschaft müssen alle Beteiligten überdenken und neu ausgestalten. Denn werden Antibiotika und Fungizide in gleichem Ausmaße wie bisher eingesetzt, so gewinnen resistente Stämme sehr wahrscheinlich die Überhand. Die derzeitige Zahl von 700.000 Todesopfern im Jahr kann somit bis zur Mitte des Jahrhunderts auf zehn Millionen ansteigen.

Neben einer menschlichen Tragödie unbegreiflichen Ausmaßes brächte eine solche Entwicklung auch immensen wirtschaftlichen Schaden.

Viele Erreger verfügen über die Fähigkeit, sich an Medikamente anzupassen, sodass diese nicht mehr wirken. Bild: CC0/ Pixabay.
Viele Erreger verfügen über die Fähigkeit, sich an Medikamente anzupassen, so dass diese nicht mehr wirken. Bild: CC0 / Pixabay

Zu dieser Einschätzung gelangte die Expertenrunde der Review on Antimicrobiotical Resistance in ihrem aktuell erschienenen Bericht „Antimicrobials in Agriculture and the Environment“. Die sechsköpfige Kernarbeitsgruppe um Obmann Jim O’Neill ist mit Vertretern aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft besetzt. Der Auftrag des britischen Premierministers lautet, bis zum Sommer 2016 ein Maßnahmenpaket zu erarbeiten, welches antimikrobielle Resistenzen auf globaler Ebene in Schach zu halten vermag.

Der vorliegende Zwischenbericht analysierte 280 Forschungsartikel zum Themenkomplex Antibiotikaeinsatz in der Landwirtschaft. Sieben Studien sahen keinerlei Zusammenhang zwischen der Gabe medizinisch relevanter Antibiotika in der Tierwirtschaft und den resistenten Erregern bei Menschen, welche mit jenen Stoffen nicht mehr bekämpfbar sind. Im Kontrast dazu stehen 100 Studien, welche den tödlichen Zusammenhang belegen.

Vorläufige Vorschläge für Gegenmaßnahmen erstrecken sich auf unterschiedliche Bereiche. Neue Wirkstoffe sollen ausschließlich dem klinischen Bereich vorbehalten sein. Internationale Grenzwerte für den Einsatz von Mikrobiotika in verschiedenen Bereichen sollen außerdem die Ausbreitung von Resistenzen verlangsamen.

Monica Brana

Monica Brana ist Studentin an der Universität Tübingen. Das "Studentenfutter" sieht sie als gute Gelegenheit, interessante Inhalte mit Schreibpraxis im Wissenschaftsjournalismus zu verknüpfen.