Wer gewinnt (k)einen Nobelpreis?

Alfred Nobel, Stifter und Namensgeber des Nobelpreises (CC BY Wikimedia Commons)
Alfred Nobel, Stifter und Namensgeber des Nobelpreises. Bild: public domain Gösta Florman / Wikimedia Commons

Manche exzellente Wissenschaftler bekommen keinen Nobelpreis, obwohl sie ihn verdient hätten. Die Gründe dafür erforscht der Medizinhistoriker Nils Hansson von der Universität zu Köln in seinem Habilitationsprojekt.

Dafür analysiert er beispielhaft, an welche Forscher die Nobelstiftung den Preis im Bereich Physiologie oder Medizin bisher vergab. Alfred Nobel wollte, dass diejenigen den Preis erhalten, die den größten Nutzen für die Menschheit erbracht haben. Es ist nicht einfach, zu bestimmen, welche Forscher diesem Kriterium gerecht werden.

Als Beispiel nennt Hansson die 1940er und 1960er Jahre, in der die Herzchirurgie viele Fortschritte machte. Allerdings waren so viele Forscher an dieser Entwicklung beteiligt, dass es nicht möglich war, einen herausragenden Wissenschaftler für den Fortschritt verantwortlich zu machen und zu belohnen. Es war also ein „technischer“ Grund: zu wenig Medaillen für zu viele Forscher.

Es gab aber auch andere Gründe dafür, warum die Nobelstiftung herausragende Wissenschaftler nicht belohnte. Manche Preisverdächtigen „verkauften“ sich und ihre Forschung laut Hansson einfach schlechter als ihre Kollegen. Auch äußere Faktoren wie politische Umstände, Herkunft oder Geschlecht der Nominierten spielten häufig eine Rolle. Manche Wissenschaftler hingegen waren ihrer Zeit so weit voraus, dass Zeitgenossen ihre Forschung geringschätzten. So entwickelte der Arzt Gustav Zander in den 1860ern die medico-mechanische Therapie, die als Vorläufer der heutigen Fitnessstudios gilt, ihren Durchbruch aber erst 100 Jahre später schaffte.

Diese Erkenntnisse bedeuteten laut Hansson jedoch nicht, dass die Nobelstifung bisher alle Nobelpreise an Kandidaten vergab, die ihn nicht verdienten.

Lale Diklitas

Lale Diklitas ist 20 Jahre alt und studiert Islamwissenschaft und Politikwissenschaft in Tübingen. Sie lernt leidenschaftlich gern Fremdsprachen und hat vor allem eine Schwäche für nahöstliche Sprachen. Ihre ersten Schreibversuche unternahm sie bei „Studentenfutter“. Sie will ihren Blick für das weniger Offensichtliche schärfen und beschäftigte sich deshalb unter anderem mit der Frage, wie Sprache – zum Beispiel in Medien und Politik – Rassismus schaffen kann.