Staudämme gegen die Natur

Der Amazonas (CC BY)
Der Amazonas. Bild: CC-BY-SA M.M. / Wikimedia Commons

Viele geplante Staudämme sind eine Gefahr für die Artenvielfalt. Zu dieser Einschätzung kommt Christiane Zarfl vom Zentrum für Angewandte Geowissenschaften der Universität Tübingen. Sie arbeitete zusammen mit dem Berliner Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei und einem internationalen Wissenschaftlerteam.

Weltweit bauen Staaten die Wasserkraft aus. Es gibt Pläne, an großen Flüssen wie dem Amazonas, dem Mekong und dem Kongo 450 Staudämme zu bauen. Dämme bringen zwar viele ökonomische Vorteile mit sich, sie bergen aber auch große langfristige Gefahren. Verantwortliche unterschätzen diese Gefahren oft.

Zarfl und ihre Kollegen zeigten sie auf, indem sie zunächst eine Datenbank von allen großen Wasserkraftanlagen zusammenstellten, die aktuell geplant oder in Bau sind. Die Forscher kombinierten diese Daten anschließend mit Zahlen über die Verteilung von Fischarten in den genannten Flüssen. Ein erschreckendes Ergebnis: Die Flüsse Amazonas, Mekong und Kongo beherbergen circa 4000 Süßwasserfischarten. Das macht ein Drittel aller Süßwasserfischarten aus. Große Staudämme bedrohen diese Artenvielfalt, da sie beispielsweise wandernde Fische behindern und Fischpopulationen trennen. Auch vernichten sie die natürliche Dynamik der Flüsse und somit den vielseitigen, natürlichen Lebensraum. Eingriffe in die Flussdynamik wirken sich auch auf die Fischerei und die Landwirtschaft aus. Außerdem könnten viele Menschen im Umfeld der geplanten Dämme umgesiedelt werden.

Die Wissenschaftler fordern von Verantwortlichen, bei der Wahl des Staudamm-Ortes diese negativen Konsequenzen zu berücksichtigen. Wer die Wasserkraft nachhaltig nutzen will, dürfe andere Faktoren wie Umwelt und Mensch nicht außer Acht lassen und müsse eine Risikoabschätzung machen.

Lale Diklitas

Lale Diklitas ist 20 Jahre alt und studiert Islamwissenschaft und Politikwissenschaft in Tübingen. Sie lernt leidenschaftlich gern Fremdsprachen und hat vor allem eine Schwäche für nahöstliche Sprachen. Ihre ersten Schreibversuche unternahm sie bei „Studentenfutter“. Sie will ihren Blick für das weniger Offensichtliche schärfen und beschäftigte sich deshalb unter anderem mit der Frage, wie Sprache – zum Beispiel in Medien und Politik – Rassismus schaffen kann.