„Diverse Goldfunde im Weltraum“

Was sich die irdische Raumfahrt nur erträumen kann, ist auf Stella Anas – dem Stern auf dem Entenhausen liegt - möglich. Doch wo versteckt sich das Gold im All und warum kann Dagobert mit und ohne Atemgerät den Weltraum bereisen? Der Donaldist Kai Freund sprach und diskutierte mit uns über donaldistische Forschung, die soziokulturelle Bedeutung von Raumfahrt in Entenhausen und was wir daraus über Donald und Konsorten lernen können.
Im Forschungsfokus vieler Donaldisten: der ärgerliche Erpel Donald Duck. Bild: Mit freundlicher Genehmigung der D.O.N.A.L.D.

Studentenfutter: Herr Freund, Sie bezeichnen sich selbst als Donaldisten. Was ist das?

Kai Freund: Das lässt sich auf zwei Arten beantworten. Es gibt die offizielle und die inoffizielle Kategorie des Donaldismus.

Die offizielle ist durch die Mitgliedschaft in der D.O.N.A.L.D. – der Deutschen Organisation der Nichtkommerziellen Anhänger des Lauteren Donaldismus, der ich auch angehöre – begründet. Der Verein hat etwa 1000 Mitgliedern und ist die Organisation, die sich mit donaldistischer Forschung beschäftigt.

Als die inoffizielle Kategorie der Donaldisten würde ich all diejenigen bezeichnen, die Donald sehr mögen und deshalb die Donald-Geschichten lesen. Ich finde man muss nicht unbedingt in der D.O.N.A.L.D. Mitglied sein, um sich als Donaldist bezeichnen zu können.

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Logo: Mit freundlicher Genehmigung der D.O.N.A.L.D.

Der Donaldismus ist eine Wissenschaft, die sich mit der Erforschung der Donald-Geschichten des US-amerikanischen Zeichners Carl Barks in Kombination mit den deutschen Übersetzungen von Erika Fuchs beschäftigt. Sie umfasst rechtswissenschaftliche, technische, soziologische, physikalische, psychologische und andere Forschungsansätze und organisiert sich in der D.O.N.A.L.D. – der „Deutschen Organisation nichtkommerzieller Anhänger des lauteren Donaldismus“.

Die D.O.N.A.L.D. wurde 1977 von dem Klimaforscher Hans von Storch gegründet. Jährlich findet ein Kongress statt, bei dem die neuesten donaldistischen Forschungsergebnisse präsentiert und diskutiert werden. In unregelmäßigen Abständen erscheint die Zeitschrift „Der Donaldist“, die sich ebenfalls mit aktuellen Forschungen rund um die Familie Duck und Entenhausen auseinandersetzt.

Studentenfutter: Womit beschäftigt sich denn die D.O.N.A.L.D.?

Kai Freund: Die D.O.N.A.L.D. beschäftigt sich mit den Donaldgeschichten von Carl Barks und Don Rosa mit den Übersetzungen von Erika Fuchs. Die Lustigen Taschenbücher gehören nicht zum offiziellen Kanon. Die Forschung ist hauptsächlich sogenannte anatidische Feldforschung. Stella Anas bezeichnet den Planeten auf dem Entenhausen liegt, wobei die Bezeichnung Stella für Stern ein bisschen mehrdeutig ist. Anatiden bezeichnet die Bewohner von Entenhausen, von denen wir hauptsächlich die entenförmigen kennen, eben die Familie Duck, aber auch alle anderen: Es gibt dort menschenförmige, schweineförmige, hundeförmige, wie zum Beispiel die Panzerknacker AG, es gibt mechanoide, wie das Helferlein. Sie alle würde man grob als anatid bezeichnen.

Was man letztlich erforscht ist, wie in der herkömmlichen Forschung, einem selbst überlassen. Für einen Psychologen sind sicher andere Gesichtspunkte interessanter als für einen Juristen. Es gibt wunderbare Berichte darüber, wie sich die Stromoberleitungen in Entenhausen von den hiesigen unterscheiden. Es gibt Vergleiche von Rechtsformen in Entenhausen und so fort. Entenhausen ist mittlerweile ein angeforschtes, aber bei weitem noch kein durchgeforschtes Gebiet.

Studentenfutter: Sie selbst beschäftigen sich mit der Raumfahrt in Entenhausen. Wieso fiel Ihre Wahl auf das Thema Raumfahrt?

Kai Freund: Das hat persönliche Gründe. Ich war früher schon an Science Fiction interessiert, bin Physiker und habe mich sehr stark für Astronomie interessiert. Wenn man sich viel mit einem Thema beschäftigt, dann hat man ein gewisses Auge dafür. Und da ist mir aufgefallen, dass in vielen Donaldgeschichten die Raumfahrt thematisiert wird. Ich habe mich dann in meiner Forschung mit den soziokulturellen Gründen für Raumfahrt beschäftigt.

Studentenfutter: Und was für eine soziokulturelle Rolle spielt Raumfahrt auf Stella Anas im Vergleich zum Planeten Erde?

Kai Freund: Auf unserer Erde machen wir Raumfahrt vorwiegend aus wirtschaftlichen Gründen. Ein Großteil der Kommunikation verläuft über Satelliten. Allein die militärischen Implikationen sind riesig. Wenn irgendwo GPS ausfällt, können die Amerikaner keine Raketen mehr schießen. Ansonsten gibt es noch zu einem kleineren Teil die Forschung. Prestigeprojekte gibt es natürlich auch, besonders zu Zeiten des Kalten Kriegs.

Auf Stella Anas ist die ganze Sache ein bisschen anders. In Entenhausen ist Raumfahrt hauptsächlich sportlich motiviert. Es gibt diverse Goldfunde im Weltraum. Zum Beispiel wird auf dem Mond Gold gefunden. Es wird hinter dem Mond ein zweiter Mond gefunden, der sich in einer sogenannten gebundenen Rotation mit dem Mond befindet. Gebundene Rotation heißt, es gibt einen Zentralkörper, wie zum Beispiel den Mond, der einem ja immer das gleiche Gesicht zuwendet. Das ist schon mal eine Art von gebundener Rotation. Und direkt dahinter befindet sich nochmal ein kleiner Mond aus Gold. Dieser Mond aus Gold ist genau so im System situiert, dass er nie die Rotation um den Mond schafft. Was zur Folge hat, dass er von Stella Anas aus nie zu sehen ist. Das ist physikalisch schwierig, aber möglich.

In Entenhausen finden dann immer Rennen statt: Wer schafft es als erstes zu diesem Gold?

Studentenfutter: Es gibt also zum einen den sportlichen Aspekt, beispielsweise durch Rennen.

Kai Freund: Zum anderen ist die Raumfahrt in Entenhausen wesentlich bodenständiger als hier. Wenn man hierzulande ein mittelgroßes Forschungsprojekt, sprich einen Satelliten in die Umlaufbahn oder in einen der Lagrange-Punkte befördern will, muss man sehr tief in die Tasche greifen. Lagrange-Punkte sind Punkte, in denen gerne Satelliten platziert werden, weil dort die Kräfte sehr gering sind. Mit einer Drittelmilliarde ist man schon gerne dabei.

In Entenhausen hingegen kommt es relativ häufig vor, dass sich irgendwelche Leute eine nicht unbeträchtliche Rakete zusammenbasteln: Sei es, um zu einem Goldmond zu fliegen, um einmal um die Welt in acht Stunden zu fliegen oder für ein Raketenrennen. Das funktioniert; sie fliegen alle wunderbar, aber im Prinzip sind das Garagenprojekte. Auch Herr Duck entwickelt eine Rakete – mit einem Supertreibstoff, um den Mond zu umrunden. Und das alles macht er hinter seinem Haus. Dort startet und dort landet er auch. Das ist auf der Technologieebene um einiges handhabbarer als bei uns.

Und zu guter Letzt gibt es dann noch militärische Projekte, die aber militärisch nicht ernst zu nehmen sind. Da geht es eher um Raketen als Karrieremotor. Das Militär selbst hat kein großes Interesse daran, dass die Rakete wirklich im Weltraum ist. Es braucht lediglich einen messbaren Erfolg auf dem Papier, um damit Abgeordnete zu beeindrucken.

Ansonsten sind Raumfahrt und Raketen in Entenhausen Annehmlichkeiten. Man hat ein besonders schnelles, praktisches Transportmittel. Gefahren stehen nicht im Mittelpunkt.

Studentenfutter: Lassen sich aus der Raumfahrttechnologie irgendwelche Rückschlüsse auf den technischen Fortschritt in Entenhausen ziehen?

Kai Freund: Das ist sehr schwierig zu sagen, denn die Rakentensteuerung besteht meist nur aus einem einzigen Hebel. Zum Beispiel „an / aus“. Und das kann man aus Sicht eines Physikers, der sich schon mal mit Satelliten-Hardware beschäftigt hat, als doch eher vorsintflutlich bezeichnen. Allerdings, wenn man sich überlegt, man hat nur einen einzigen Hebel…

Studentenfutter: …dann ist es vielleicht auch total genial!

Kai Freund: Genau! Oder man hat Glück, dass es überhaupt funktioniert. Insofern ist es schwierig, etwas darüber zu sagen. Es gibt auch Raketen, die ein ganz normales Steuerrad haben. Was bei einer Rakete, die kaum Seitenruder, sondern eher Steuerdüsen hat, nicht arg viel Sinn macht. Und trotzdem existieren sie. Es gibt dort sehr viele technologische Vermischungen, die die Antwort auf diese Frage etwas schwierig machen.

Kai Freund ist Physiker mit den Schwerpunkten Astronomie und Teilchenphysik. In seiner wissenschaftlichen Laufbahn beschäftigte er sich unter anderem mit Satelliten-Hardware. Erste Grundsteine für seine donaldistische Laufbahn legte sein Großvater, der sein Enkelkind regelmäßig mit Donald-Geschichten versorgte, als es noch in den Kinderschuhen steckte. Während seines Studiums verband er seine beiden Leidenschaften und begann sich der donaldistischen Forschung zu widmen, mit dem Schwerpunkt „Raumfahrt in Entenhausen“.

Studentenfutter: Lässt sich denn etwas über Anatiden, deren Lebensbedingungen und Fähigkeiten sagen, wenn sie ohne Beatmungsgerät im Weltraum flanieren können?

Kai Freund: In einer Geschichte strandet Herr Duck auf dem Mond und spaziert dort tatsächlich nur mit Mütze und Matrosenjacke auf dem Mond umher. In anderen Geschichten wiederum muss man auf dem Mond Sauerstoffgeräte tragen. Das heißt auf dem Mond selbst scheint es bestimmte Gegenden zu geben, die sauerstoffreich sind und bestimmte Gegenden die sauerstoffarm sind.

Studentenfutter: Die Antwort leitet mich zur nächsten Frage: Wie lässt sich die Phantasie von Carl Barks und Don Rosa bzw. die anatide Welt von einem „irdischen“ Standpunkt aus interpretieren und analysieren? Man könnte die Tatsache, dass man einmal ein Atemgerät braucht und einmal nicht auch so interpretieren, dass es ist nicht stringent erzählt oder gezeichnet wäre.

Kai Freund: Die Frage stellt sich eigentlich nicht. Unser Forschungsgebiet ist klar umrissen: Die forschungstechnische Wahrheit sind für uns die Comics.

Studentenfutter: Und das lässt dann nur die eine Interpretation zu? Man könnte ja auch sagen, da stimmt was nicht. Oder es handelt sich bei den eben beschriebenen Monden um zwei verschiedene Monde.

Kai Freund: Das wäre eine gute Hypothese. Allerdings sieht man in vielen Geschichten, dass es nur einen Mond gibt. Man muss eben schauen, dass man diese beiden Wahrheiten unter einen Hut bringt.

Studentenfutter: Jetzt gibt es wahrscheinlich auch Menschen, die behaupten würden, Comics seien etwas für Kinder und sich vielleicht fragen, wie man nun auf die Idee kommt, daraus eine Wissenschaft zu machen.

Kai Freund: Dass Comics was für Kinder sind, das halte ich für eine eher deutsche Unsitte. Man muss sich eigentlich nur einmal die Simpsons, South Park oder Futurama aus dem Blickwinkel eines Erwachsenen anschauen, um zu merken, wie viele Punkte der Alltagspolitik in den Folgen untergebracht werden. Insofern finde ich die Aussage, dass Comics was für Kinder seien nicht zutreffend, irrelevant und einfach nicht informiert.

Studentenfutter: Trotzdem kann man fragen, wie man darauf kommt, daraus eine Wissenschaft zu machen. Die Donaldisten erheben ja einen wissenschaftlichen Anspruch. Wie rechtfertigen sie den?

Kai Freund: Wie rechtfertigt ein Physiker die Forschung an Neutrinos, wenn man sie noch nie im Leben gesehen hat? Und trotzdem gab es im Jahr 2015 einen Nobelpreis dafür. Es ist eine Interessensgemeinschaft, die sich gebildet hat. Wir haben im Gegensatz zu anderen Wissenschaften unser wissenschaftliches Gebiet sehr klar umrissen. Für die einzelnen Forschenden gelten die wissenschaftlichen Prinzipien ihres jeweiligen Fachbereiches. Also ein Psychologe darf psychologisch argumentieren und ein Germanist darf germanistisch argumentieren und das ist finde ich um einiges klarer als bei einigen anderen, sich neu formierenden Wissenschaften. Ich möchte keine Wissenschaft direkt angreifen, aber wenn sich ein neues Fachgebiet bildet, ist natürlich immer die Frage, wo sind die Grenzen zu anderen Fachgebieten. Wir haben da ein klar umrissenes Gebiet, klar umrissene Forschungsvorschriften, insofern sehe ich da keine großen Widersprüche.

Studentenfutter: Herr Freund, ich bedanke mich mit einem donaldistischen Klatsch Klatsch Klatsch für das Gespräch.