Editorial: Eine meinungsstarke Ausgabe

Liebe Leserinnen und Leser,

die Beiträge des jüngsten Studentenfutter-Jahrgangs machen deutlich, wie sehr die Blogosphäre schon heute auf den jungen Journalismus abfärbt. Typisch scheint uns – neben der raschen Routine im Meldungen-Schreiben – die Bevorzugung des Genres Kommentar (hier haben wir drei Beispiele zu den Themen Rechtspopulismus, Gender-Debatte und Begabtenförderung) sowie des Genres Interview (mit einem Satiriker und einem Donaldisten) bei den langen Texten.

Beide Genres sind bei Bloggern beliebt, weil sie schnell umzusetzen sind und nicht unbedingt eine tiefschürfende Recherche zur Vorbereitung brauchen. Das ist zugleich ihre Schwäche. Die Stärken der beiden Formen liegen aber ebenfalls klar auf der Hand: Kommentar-Autoren sind meinungsfreudig, scheuen sich nicht vor Konflikten und debattieren mit ihren Leserinnen und Lesern weiter statt sie nur zu belehren. Interviews sind frisch und authentisch und leben ebenfalls vom Dialog.

Etwas unterrepräsentiert sind dagegen die klassischen journalistischen (Lang-)Formen: der Bericht und die Reportage. Immerhin entführt uns Erkan Binici auf unterhaltsame Weise in den Supermarkt und zeigt anhand von Studienergebnissen, wie wir uns dort verführen lassen. Bianca Rousek hat zwei hochkarätige Experten aufgetan, die bereit waren, den Trend zum Veganismus kritisch in Frage zu stellen. Monica Brana zeigt am Beispiel der Rettung antiker Bauwerke, was Digitalisierung im Kulturbereich bewirken kann. Lale Diklitas hat ihre Literaturrecherchen zum Thema Sprache und Rassismus mit einer Tübinger Fachfrau diskutiert. Am recherchefreudigsten ging Adrian von Jagow zu Werke: Bevor er nicht drei Tübinger Unternehmer mit regionaler Verwurzelung zum Reden gebracht hatte, wollte er seinen Bericht, der sich zu einem Report auswuchs, keineswegs abgeben.

Auch wenn es nicht an den publizierten Ergebnissen abzulesen ist: Sex und Gender waren Dauerbrenner-Themen in diesem geschlechtlich gut durchmischten Kurs. Da ging es manchmal heiß her. Migrationsthemen wurden nicht nur theoretisch durchleuchtet, da schimmerte auch biographische Erfahrung durch. Am meisten gelernt haben wie immer die Dozenten:

Karl Urban und Judith Rauch

im Februar 2016