Wespenart nutzt Spinnen als lebende Brutkästen

Im Rahmen einer Forschungsreise entdecken Forscher eine neue Wespenart, die Spinnen in einen Zombie-ähnlichen Zustand versetzen.

CC-BY-SA 2.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/) Bernard DUPONT (https://www.flickr.com/photos/65695019@N07/14081302626)

Wissenschaftler der University of British Colombia studierten auf einer Forschungsreise in Ecuador verschiedene Parasiten, die in Nestern von sogenannten sozialen Spinnen leben. Dabei wurden sie auf einige Spinnen aufmerksam, die ungewöhnliches Verhalten aufwiesen.
Soziale Spinnen leben in Kolonien, jagen zusammen und teilen elterliche Pflichten. Nur selten entfernen sie sich aus dem Schutz dieser Kolonie. Genau dies konnten die Forscher jedoch bei einigen Individuen beobachten: nachdem diese sich von der Kolonie entfernt hatten, spannen sie geschlossene Kokons aus dicht gewobener Seide und Blätterteilchen. Die Forscher stellten fest, dass die Spinnen mit je einer parasitischen Larve infiziert waren – und wenig später schlüpfte aus dem Kokon eine Wespe. Deren Beziehung zur Spinne entpuppte sich als wahrlich makaber: Zunächst legt die Wespe der Spinne ein Ei auf den Bauch. Die daraus entschlüpfte Larve heftet sich dann an die lebende Spinne – und ernährt sich von ihr. Mit zunehmender Größe übernimmt die Larve langsam den Körper der Spinne. Auf diese Weise fremdgesteuert verlässt sie die eigene Kolonie und spinnt der Larve einen schützenden Kokon. Gut neun Tage später entschlüpft dem Kokon dann die ausgewachsene Wespe.

Manipulatives Verhalten im Bereich dieser Tierarten ist nichts Neues. Keine bisher entdeckte Manipulation ist jedoch so radikal wie diese, da die Spinne von ihrem normalen Verhalten völlig abweicht: Die Wespe übernimmt vollständig die Kontrolle über die Spinne. Wie die Wespe das macht, ist noch nicht geklärt. Die Forscher vermuten, dass sie ihrem Wirt ein Hormon einspritzen.

Tanja Ascher

Tanja Ascher steht kurz vor Ihrem Bachelorabschluss im Fach Germanistik. Texte schreiben war bereits zentraler Inhalt ihres Studiums. Das „Studentenfutter“ gab ihr die Möglichkeit noch eine ganz andere Art von Textproduktion kennen zu lernen und sich mit fachfremden und gleichzeitig spannenden Themen journalistisch auseinander zusetzen.