Editorial: Fragen unserer Zeit

Liebe Leserinnen und Leser,

was lange währt, wird endlich gut: Das Sprichwort gilt vermutlich für jedes Handwerk, so auch für das journalistische. Ein guter Artikel braucht eine intensive Recherche. Er braucht Hartnäckigkeit beim Versuch, Interviewpartner zu finden. Und am Ende braucht der Text viel Liebe zum Detail, wenn er rund werden soll. Nur die wirklich wichtigen Aspekte einer Geschichte muss die Autorin elegant verknüpfen, entlang einer klaren Struktur. Alles Unnütze hingegen, was ablenkt oder verwirrt, fegt der Autor in einem letzten Feinschliff beherzt aus seinem Artikel. Am Ende steht ein Text, der informiert, erklärt – und obendrein noch unterhält.

Im Praxisseminar Wissenschaftsjournalismus an der Universität Tübingen haben Studierende aus ganz verschiedenen Fakultäten all diese Aspekte kennengelernt, die einen guten journalistischen Text ausmachen. Nun, am Ende des Semesters, haben sie aus diesen neu gelernten Fertigkeiten ein stimmiges und vielseitiges Onlinemagazin wachsen lassen. Darin finden sich Texte, die nah an den Menschen und ihren alltäglichen Welten bleiben, etwa über den Sinn und Unsinn von Ernährungsratschlägen, über das Phänomen der unendlich zähen versus rasend schnell vergehenden Zeit oder über Frauen, die sich entscheiden, kinderlos zu bleiben – und sich fortwährend genötigt sehen, Rechenschaft darüber abzulegen. Es geht um traumatisierte Profisportler und den Ausverkauf ihrer ambitionierten Träume. Um den Dark Factor der Persönlichkeit, der uns zu Egoisten und Narzissten werden lässt oder um medizinisch versierte Baumwanzen. Und mehrere Texte drehen sich um jene komplexen Themen, die unser Leben und unsere Welt derzeit so rasant verändern wie vielleicht noch nie zuvor: um künstliche Intelligenz, das Insektensterben, den Klimawandel oder die scheinbar allmächtige Genschere CRISP-Cas9. Dazu kommen zahlreiche Meldungen zu aktuellen Themen.

Es sind genau jene Themen, die Studierenden heute unter den Nägeln brennen. Sie sind direkt am Puls der Zeit. Es sind die Themen der Zukunft – aufgeschrieben (vielleicht) von den Journalist*innen der Zukunft.

Wir bedanken uns bei unseren engagierten Kursteilnehmerinnen und -teilnehmern und wünschen Ihnen viel Spaß beim Stöbern im Studentenfutter 2018/2019. Nehmen Sie sich gerne etwas Zeit dafür.

Bernd Eberhart und Karl Urban

im Februar 2019